Freitag, 27. Mai 2011

Gil Scott-Heron gestorben

Photo by Mischa Richter

Gestern verstarb der Singer-Songwriter, Sänger und Poet Gil Scott-Heron. Er wurde 62 Jahre alt.

Gil Scott-Heron bewegte sich mit seiner Musik immer irgendwo zwischen Jazz, Soul, R&B und Reggae. Und er war ein politischer Mensch. Das machte ihn zum Einfluss vieler schwarzer Musiker, besonders im R&B oder Hip-Hop.

Scott-Heron veröffentlichte in den 70er- und frühen 80er-Jahren eine ganze Reihe von Alben, einige großartige aber auch einige weniger wegweisende. Sein größter Hit und bekanntester Song war zweifelsohne The Revolution Will Not Be Televised. Ein Titel, der über die Jahre als Redewendung Einzug in den kulturellen Sprachgebrauch einging. Später kämpfte Scott-Heron mit Drogenproblemen und 2001 musste er deswegen sogar für einige Zeit ins Gefängnis. Jahrelang war musikalisch nichts von ihm zu hören.

Doch Gil Scott-Heron kam zurück und veröffentlichte 2010 ein sehr eindringliches Album namens I'm New Here.

Auf seiner Webseite kann man sich einige seiner Videos anschauen.

Offizielle Webseite | Gil Scott-Heron bei amazon

Mittwoch, 25. Mai 2011

Gerade gehört: The Living Sisters - Love to Live

The Living Sisters - Love To Live

Schon vor einem Jahr ist das Album der Living Sisters erschienen. Ein Debutalbum dreier Frauen, Inara George (The Bird and the Bee), Becky Stark (Lavender Diamond) und Eleni Mandell, die bereits seit Jahren äußerst produktiv im Musikgeschäft unterwegs sind, sich nun aber als The Living Sisters zusammen gefunden haben. Ein absoluter Glücksfall, denn ihre Stimmen passen so wunderbar zusammen, dass es mich immer wieder fasziniert, sie zu hören. Und als ich gestern auf YouTube unterwegs war, um nach den dreien zu suchen, da entdeckte ich einen Clip, in dem sie den David Bowie Song Starman zum besten geben - irgendwo live aufgeführt. Etwas schräg aber zauberhaft.
Auch als Import-Vinyl erhältlich!

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Sonntag, 22. Mai 2011

Gerade gehört: Tied + Tickled Trio + Billy Hart - La Place Demon


Schon seit Anfang April auf meiner Festplatte bin ich erst jetzt dazu gekommen mir das neue Werk des Tied + Tickled Trios anzuhören. Zur Verstärkung haben sich die Brüder Markus und Micha Acher dieses mal u.a. den fantastischen Saxophonisten Johannes Enders, den Klarinettisten Ulrich Wangenheim, sowie als Special Guest den Schlagzeuger Billy Hart ins Studio geholt; und präsentieren auf diese Weise eine äußerst gelungene Mischung aus Hard Bob, Cool-Jazz bis hin zu wüsten Free-Jazz-Passagen. Aber alles wohldosiert und extrem unterhaltsam.
Auch als Vinyl erhältlich!


Tour Daten:
30.05 München — Volkstheater
31.05 Mannheim — Alte Feuerwache
01.06 Leipzig — Centraltheater
02.06 Berlin — HAU 1

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Für nur eine Woche: Domino Radio geht auf Sendung

Das britische Label Domino Records wird vom 6. - 12. Juni ein Independent Radioprogramm, ganz im Geiste von Stationen wie Radio Caroline, der John Peel Show oder Rinse FM, starten. Interessant ist daran vor allem, das jeder mitmachen und Playlists einreichen oder sich Songs wünschen kann. Hier gibts alle Infos dazu.

Und hier noch ein schönes Video von Clinic: "I'm Aware":

Dienstag, 17. Mai 2011

Ausgegraben: Bee Gees - Two Years Lost

Bee Gees - Two Years Lost

Dass die Bee Gees vor ihrem Erfolg mit dem Soundtrack zu Saturday Night Fever bereits seit 15 Jahren Schallplatten veröffentlichten und rund um die Welt #1-Hits hatten, wissen heute die wenigsten. Selbst 1978, als der Film in die Kinos kam, war das den wenigsten Fans bewusst. Bee Gees, das war Disco, davor gabs nichts und danach auch nicht. Dabei haben die Brüder Gibb gerade mal eine handvoll Songs geschrieben, die man als Disco bezeichnen könnte. Aber diese paar Songs haben ihre Karriere und ihr Image bis heute geprägt.

Tatsächlich umfasst der Songkatalog der Gibb Brüder heute geschätzte 1000 Songs, wovon geschätzte zweidrittel auch veröffentlicht wurden. Um 1970/71 herum, als die Band nach einer kurzen Trennung wieder zusammenfand, entstanden in der Folge eines ungeheuren Kreativitätsschubs unzählige Songs, die zumeist auch eingespielt wurden (Studiokosten waren damals noch kein so großer Posten in den Abrechnungen). Der überwiegende Teil davon blieb jedoch unveröffentlicht. Daran änderten auch einige Wiederveröffentlichungen der letzten Jahre nichts.

Two Years Lost enthält nun eine Zusammenstellung der besten/interessantesten Songs aus dieser Phase der Band. Und obwohl es sich bei diesem Album um eine inoffizielle Veröffentlichung handelt, lässt die Klangqualität keine Wünsche offen. Also ein Fest für Fans!
Das Album eröffnet mit der Version von How Can You Mend A Broken Heart, die 2001 versehentlich auf der Kopplung The Record erschienen war, und später gegen die originale Version ausgetauscht wurde. Es folgen Outtakes aus den Sessions zu den Alben Trafalgar und 2 Years On, sowie einige Songs, die kurz vor der endgültigen Trennung der Band Ende 1969 entstanden sind. Zudem gibt es zwei Solokompositionen von Robin Gibb, wovon One Million Years, ursprünglich 1969 als Single erschienen, hier in einem ganz neuen Stereomix enthalten ist.

Das interessante an dieser Zusammenstellung ist, das man hier den musikalischen Umbruch, das Ende der Popmusik der 60er Jahre hinein in eine eher Singer/Songwriter-orientierte Kompositionstechnik der frühen 70er, prima nachvollziehen kann. Nicht umsonst haben es damals so wenige Bands geschafft, ihren Erfolg ins neue Jahrzehnt hinüber zu retten. Auch die Bee Gees wären beinahe gescheitert und brauchten noch bis 1975, bis Jive Talkin', bis sie wieder zurück in den Charts waren.

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Montag, 16. Mai 2011

Gerade gehört: Kate Bush - Director's Cut

Kate Bush - Director's Cut

Während ich das schreibe höre ich die neue CD von Kate Bush bereits zum vierten Mal und es stellt sich kein Verschleiß ein. Im Gegenteil: einige Songs wachsen mit der Zeit. Und die Songs haben ja tatsächlich schon reichlich Zeit auf dem Buckel, denn sie stammen allesamt aus den beiden Alben The Red Shoes (vom November 1993) und The Sensual World (Okt. 1989). Mit beiden Alben bin ich nie sonderlich warm geworden. Besonders The Red Shoes fand ich stets ideenlos in jeder Hinsicht und empfand das anschließende Ausbleiben einens Nachfolgealbums auch immer als sehr konsequent.

Nach dem überwältigenden Erfolg von Hounds Of Love waren die Ansprüche an die Nachfolgealben natürlich groß. Kate Bush konnte sie nicht erfüllen. Ich halte sie jedoch für charakterstark genug, um Erwartungen von außen gar nicht zuzulassen. Nicht umsonst sagt man, man solle auf dem Höhepunkt seines Schaffens aufhören. In unserer Zeit werden diese Höhepunkte allerdings an den Kontoständen der Beteiligten und nicht mit kreativen Maßstäben gemessen. Dass Kate Bush nach wie vor großartige Songs schreiben konnte, zeigt, dass es nicht an ihr lag, dass diese Alben so flau aussfielen.

Das muss Kate Bush gewurmt haben. Ein Jammer, wenn gute Songs auf unterbewerteten Alben verschwinden. Also hat sie sich hingesetzt und einen Director's Cut angefertigt, dabei einige Songs neu eingespielt, andere neu abgemischt oder editiert und die eine oder andere Textzeile angepasst. Und das Gute: es passt, es klingt wie ein neues Album. Ja, selbst einige Songs klingen wie neue, aktuelle Kompositionen. Kate Bush hat eine neue Sprache gefunden, um diese Songs nach 20 Jahren wiederzubeleben. Und das ist gut!

Den eingefleischten Fans (die sich ja auch schon mal als die undankbarsten erweisen können) streiten nun natürlich darüber. Sie kennen die Songs zur Genüge und wünschen sich neue. Ich rate ihnen jedoch, sich dieses Album in Ruhe anzuhören. Sie werden eine Menge Neues entdecken. Und von schlechtem Sound, Hauptstreitpunkt unter den "Experten" mit ihren vom Digitalen verkorksten Ohren, kann ich nichts hören. Kate Bush bevorzugt nun einmal einen warmen, analogen Sound und das hat sie schon immer getan und das klang auf Vinyl auch immer gut. Lediglich die CD-Versionen ihrer Alben hatten mitunter einen etwas muffeligeren Sound. Auch ihr Comeback-Album Aerial von 2005 klang nicht anders. Damals gab es kaum Kritik.

Noch schlimmer die Fans, die ihre Stimme als "stellenweise brüchig" beschreiben. Leute, diese Frau ist kein junges Mädchen mehr! Ich empfinde Kate Bushs Stimme als reifer aber 100% wiedererkennbar und nie brüchig. Die Kiekser von ganz früher fehlen. Ansonsten hat sie nichts eingebüßt.

Das Album gibt es auch in einer Ausgabe mit 3 CDs. Neben dem originalen Album enthält das Set auch die beiden Alben The Red Shoes und The Sensual World, eines davon allerdings in nahezu unveränderter, das andere in remasterter Version. Das Set kostet zwar keine 10 EURO mehr als die Einzel-CD, ist trotzdem etwas fragwürdig. Möglicherweise waren diese beiden Alben aber zuletzt gar nicht mehr erhältlich und Kate Bush wollte sie so wieder zugänglich machen. Wer weiß. Ist aber im Endeffekt egal.

Bleibt zu erwähnen, dass es dieses Album ab Freitag (20.5.) auch als Doppel-Vinyl gibt, und dass es das erste auf ihrem eigenen Label Fish People ist. Entsprechend wurde auch ihre Webseite umgestaltet. Dort kann man sich auch das Video mit Robbie Coltrane anschauen.

Kaufen (amazon) | Interview im Zeit Magazin vom 15. Mai 2011

Ausgegraben: The Complete Arista Recordings of Anthony Braxton

The Complete Arista Recordings of Anthony Braxton

Am Wochenende ist mir diese 8-CD-Box in die Hände gefallen, die bereits 2008 in limitierter Auflage von 5000 Stück erschien, in Deutschland aber nur schwer erhältlich ist. Die Box enthält u.a. auch das Album Five Pieces, das mich erstmals mit der Musik Anthony Braxtons in Berührung brachte. Mich faszinierte damals sofort die großartige Mischung aus Bopelementen und ganz neuen Tönen, weit abseits der 1975 doch weit verbreiteten Fusionseskapaden. Five Pieces hatte weit mehr. Und es fesselte mich, weil vieles darauf auch einen sehr souligen Charakter hatte. Ähnlich einem Pharoah Sanders etwa. Das war mein Einstieg in diese Musik.

Doch Anthony Braxton ist weit mehr als ein Jazzmusiker (er empfand sich nie als solcher). Er nennt sich lieber Komponist, sieht sich selbst irgendwo zwischen John Coltrane und Karlheinz Stockhausen oder John Cage. Er studierte Philosophie, war Hochschullehrer und hat seit 1990 eine Professur für Musik an der Wesleyan University. 1985 legte er sein dreibändiges musikphilosophisches und -theoretisches Werk Tri-Axium-Writings vor. Und als Musiker spielt er alle Arten von Flöten, Saxophone, Klarinetten und auch Klavier. Im Übrigen war und ist er der wichtigste Einfluss auf den von mir hier kürzlich erwähnten John Zorn.

Als Clive Davis 1974 CBS verließ und sein Arista Label gründete, war Braxton sein Wunschkandidat für die Abteilung Jazz. Und Braxton sagte zu, weil Davis ihm alle Freiheiten gewährte. So enstanden in sechs Jahren neun Projekte, die allesamt kaum unterschiedlicher hätten ausfallen können. Als Braxtons Vertrag 1980 schließlich auslief, war Arista gerade knapp dem bankrott entgangen und von der Ariola aufgekauft worden. Von da an konzentrierte man sich mit Musikanten wie Dionne Warwick oder Whitney Houston vorrangig ums Geld machen und die Bänder mit der Musik Anthony Braxtons (und sicher nicht nur diese) verschwanden irgendwo auf Nimmerwiedersehen in dunklen Löchern.

Und so geschah es, dass diese Phase Braxtons (und des Labels Arista) beinahe 30 Jahre lang nicht mehr erhältlich war. Ein Jammer! Doch dank Mosaic Records konnte diese Lücke 2008 endlich wieder geschlossen werden. Benutzt wurden für die Wiederveröffentlichung offenbar nicht die Masterbänder. Dass man bei der Überspielung zumindest teilweise auf Vinylschallplatten zurückgreifen musste, ist dem Material auf der Box aber nur an manchen Stellen anzuhören und schmälert den Hörgenuss in keiner Weise. Ich bin fast geneigt zu sagen: im Gegenteil! Dass die Box hier in Europa nicht erhältlich ist und nur teuer importiert, bzw. bestellt werden kann, ist jedoch sehr traurig, denn Braxton hat gerade hierzulande große Erfolge und Anerkennung gefunden.

Links:
Anthony Braxtons Webpräsenz
Mosaic Records
Ausführliche Anthony Braxton Discografie
Anthony Braxton auf YouTube
Anthony Braxton auf amazon

Sonntag, 15. Mai 2011

Gerade gehört: Bohren und der Club of Gore - Beileid

Bohren und der Club of Gore - Beileid

Das lustigste an Bohren und der Club of Gore ist ja, dass viele Menschen nicht wissen, wo sie diese Musik einordnen können. Zwischen Doom (auf Wikipedia wird das Drone-Doom genannt) bis Jazz ist da alles vertreten. Für mich ist das einfach nur langsame, um nicht zu sagen, sehr, sehr langsame Musik, eingespielt in Quartettbesetzung mit Bass, Schlagzeug, Saxophone und Tasteninstrumenten. Die Langsamkeit der Darbietung ermöglicht es die einzelnen Töne so lange zu dehnen, bis sie praktisch ein Eigenleben entwickeln. Dann ist man ganz in der Nähe von Ambient-Musik. Ein in der Musik (beinahe) einzigartiges Projekt, das immer wieder für neue Überraschungen sorgt. Auf diesem Minialbum mit knapp 40 Minuten Spielzeit z.B. durch eine Coverversion eines Doro Pesch-Titels, für den die Band sich keinen geringeren als Mike Patton als Sänger ins Studio holte.

Tour Daten:
02.07.2011 Duisburg (DE), Traumzeit Festival
06.08.2011 Kattowice (PL), Off Festival
30.09.2011 Essen (DE), Denovali Swingfest

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Samstag, 14. Mai 2011

Radical Jewish Culture: eine Ausstellung in Berlin

2562 - Fever
Radical Jewish Culture

Zur Zeit findet im Jüdischen Museum in Berlin eine Ausstellung über die sogenannte Radical Jewish Culture statt, eine Bewegung verschiedener New Yorker Musiker jüdischer Abstammung, die sich Ende der 80er-Jahre in Downtown Manhattan formierte und ihre Wurzeln im Knitting Factory hatte, dem legendären Club in der Houston Street in Manhattan, spezialisiert auf experimentelle Musik, Jazz und Avantgarde.
Es brauchte allerdings ein Festival in München, bei dem von John Zorn kuratiert, Musiker wie Marc Ribot, David Krakauer aber auch Lou Reed auftraten (Zorn selbst führte seinen Zyklus Kristallnacht hier zum ersten Mal auf) und dabei erstmals eine Art jüdisches Gemeinschaftgefühl aufkam. Dies manifestierte sich in einer Schrift, in der John Zorn und Marc Ribot erstmals über eine Radical Jewish Culture nachdachten.

Wichtig dabei ist, das es sich hier um keinen religiösen oder stilistischen Rahmen handelt, sondern dass es alleine um die Herkunft der Musiker geht. Musikalisch ist dagegen alles erlaubt. Ganz im Sinne von John Zorn selbst, der sich mit allen nur denkbaren Musikrichtungen auseinandergesetz hat. Von Jazz, über Metal und Hardcore bis hin zu Neuer Musik und Klassik - eindrucksvoll unter Beweis gestellt mit seinen Projekten Naked City, Painkiller oder Masada.

1995 gründete Zorn das Label Tzadik und erklärte diese Herangehensweise an Musik zur Labelpolitik. Seitdem sind dort erfolgreich weit über 100 CDs erschienen.

Dieser Geschichte widmet sich nun diese Ausstellung. Sie präsentiert neben Exponaten, wie man sie erwarten kann (z.B. Schallplatten- oder CD-Cover) auch Schriften und viel Historisches über das Judentum in New York. Auf den Wänden finden sich zudem großflächige Texte, in denen die wichtigsten Musiker der Szene portraitiert werden und an unzähligen Monitoren kann man sich per Kopfhörer in Interviews einklinken. Einige Ausschnitte daraus konnte man in letzter Zeit bereits im TV begutachten, doch hier kann man sich nun in die verschiedenen Themen so richtig vertiefen. John Zorn, Marc Ribot, Elliott Sharp, Frank London, David Krakauer, Shelley Hirsch (und noch wer) erweisen sich als kompetente Gesprächspartner.

Das Herz der Ausstellung stellen aber vier Vorführräume dar, in denen in Dauerschleife Filme, wie z.B. ein Masada-Konzert aus dem Jahr 1994, laufen. Auch John Zorns Aufführung von Kristallnacht 1992 in München ist zu sehen, sowie eine ganze Reihe anderer musikalischer Beispiele der Szene.

Ich bin an einem ruhigen Donnerstagvormittag dort gewesen und habe ca 2 Stunden gebraucht. Dann war ich durch. Dabei habe ich mir aber nicht alle Filme in voller Länge angeschaut. Man könnte sich also bestimmt auch 3 Stunden dort aufhalten.
Der Eintritt beträgt 4 EUR. Das begleitende JMB-Journal mit viel Hintergrundmaterial kostet 2,50 EUR.

Doch was wäre eine Ausstellung über Musik ohne ein musikalisches Begleitprogramm? Genau! Deswegen gibt es auch einiges an Musik drumherum. Z.B. ein bestimmt sehr interessanter Auftritt des Klezmer-Hip-Hoppers Socalled und eine Konzert mit Uri Caine, Tim Sparks und Greg Cohen.

Radical Jewish Culture (JMB) | Das JMB-Journal online lesen | Tzadik | Tagesschau Beitrag zur Ausstellung

Freitag, 13. Mai 2011

Gerade gehört: Autechre - EPs 1991-2002

Autechre - EPs 1991-2002
Autechre - EPs 1991-2002

OK, ich habe die Box nicht ganz gehört, nur so reingehört, vor allem in die erste EP Cavity Job, die nun zum ersten Mal auf CD erschienen ist. Viele, zugegeben: die meisten Titel, die in der Box enthalten sind, kann ich heute nur noch schwer ertragen. Vor 10, 12 Jahren, als ich Autechre für mich entdeckte, war ich z.T. tief beeindruckt von derem messerscharfen Sound, der oft, und erst recht in Verbindung mit den Videos, ganz neue Gefilde der Technomusik auslotete. Das war aufregend - heute aber macht mich das leider eher kirre.

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Gerade gehört: Bootsy Collins - Tha Funk Capitol Of The World

Bootsy Collins - Tha Funk Capitol Of The World
Bootsy Collins - Tha Funk Capitol Of The World

Zunächst wollte ich mir dieses neue Album des Veteranen des Funk, Bootsy Collins, einst Bassist in der Band von James Brown und Mitglied in Bands wie Parliament und Funkadelic, gar nicht anhören. Ich befürchtete ein nichtsagendes Alterswerk. Dann las ich heute das Interview mit ihm in der taz zu seinem 60. Geburtstag. Das war sehr amüsant und ich entschloss mich doch mal reinzuhören, in Tha Funk Capitol Of The World - und nun bin ich positiv überrascht. Ein prima Funkalbum, mit allem was eine gute Bootsy-Collins-Scheibe ausmacht und auch noch ein wenig mehr. So überrascht er auf dem Song Siento Bombo sogar mit Latintönen. Darüberhinaus gibt es, eigentlich nichts Ungewöhnliches, ohne Ende Gäste, von Snoop Doggy Dog über Buckethead bis zu Samuel L. Jackson und (Grüße ins Jenseits!) Jimi Hendrix. Ein großer Spaß!
Auch als Vinyl erhältlich.

Außerdem kommt Bootsy Collins im Juli für zwei Konzerte nach Europa. Dabei tritt er in Rotterdam auf dem North Sea Jazz Festival und in Montreux auf dem dortigen Jazzfestival auf.

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Dienstag, 10. Mai 2011

Gerade gehört: Fleet Foxes - Helplessness Blues

2562 - Fever
Fleet Foxes
- Helplessness Blues

Die Begeisterung, die sich 2008 beim Auftauchen der Band auf der Szene breitmachte, wird sich in diesem Jahr sicher nicht wiederholen. Dafür birgt das neue Album zu wenig Überraschendes. Das muss aber im Falle der Fleet Foxes nichts Schlimmes bedeuten. Im Gegenteil: es heißt: das Album Helplessness Blues hat durchweg die Qualität seines Vorgängers. Ohne Abstriche - und ist deswegen eine Empfehlung wert! 

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Portrait: Broken Home

Dicken und Robert Mutt Lange im Studio


Die kurze Geschichte von Broken Home lässt sich nicht erzählen, ohne Mr. Big zu erwähnen, die britische Rockband, die 1977 mit Romeo einen weltweiten Hit hatte, davon aber nicht profitieren konnte und sich alsbald in den unruhigen, von Punk und Wave bestimmten Zeiten, auflöste.

Die Köpfe hinter Mr. Big, Dicken und Pete Crowther, saßen aber nicht lange auf der faulen Haut und gründeten 1979 Broken Home. Ihr gleichnamiges Debutalbum, für WEA eingespielt, brachte aber nicht den erhofften Erfolg, den man sich vor allem im englischsprachigen Raum erwünscht hatte. Trotzdem fand die Band ihre Fans. In Skandinavien und auch in Deutschland und Holland verkaufte sich das Album gut. England zog erst nach, als die Band einen Auftritt beim Reading-Festival absolviert hatte. Doch da war das Album schon aus vielen Läden wieder verschwunden und die WEA hatte es schnell wieder aus dem Programm genommen. Die Zeiten waren damals schnelllebig.

Wie es dann zu einem Deal mit Mercury für ein zweites Album kam, habe ich nicht herausfinden können. Aber zum Glück kam dieses Album, Life betitelt, 1981 heraus. Das war der Zeitpunkt zu dem ich die Band kennenlernte. Der Plattenhändler meines Vertrauens spielte mir Life damals vor und die ersten beiden Tracks, Life und Oh Yeah, hatten es mir sofort angetan. Besonders das wunderbar locker poppige Oh Yeah blieb über all die Jahre einer meiner absoluten Favoriten. Doch auch der Rest des Albums kann sich Hören lassen. Alleine Born Too Loose klingt vielleicht ein wenig zu sehr auf den US-Markt geschielt, hat aber durchaus auch seine Berechtigung unter den z.T. wirklich vorzügigen anderen Songs.

Das Album erschien nur in Deutschland, Holland und Skandinavien, nicht jedoch in England weswegen ihm auch keine lange Lebenszeit vergönnt war. England wäre für die Band, die zu dem Zeitpunkt eigentlich nur aus den beiden Bandgründern bestand, ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Markt in Europa gewesen. Aber England war fest in der Hand der New-Wave-Bands.

Das Debutalbum der Band lernte ich dann erst im Anschluss kennen. Auch hier finden sich einige großartige Songs. Allen voran Death Of Gog, das ich damals, wenn ich auflegte, immer und immer wieder spielte. Mit großer Resonanz beim Publikum.

Dicken und Pete Crowthers waren ganz klar Kinder der 70er-Jahre. So klangen beide Alben auch: gutes Songwriting, mit reichlich Gitarrenarbeit, aber verpackt in ein perfektes Popgewand. Das erste Album wurde dabei von Robert John "Mutt" Lange produziert, der zu dieser Zeit gerade den Ruhm seiner Arbeit für AC/DC genoss. So geht Broken Home auch noch als Rockalbum durch, während der Nachfolger ein nahezu perfektes Popalbum ist. Ich wage zu behaupten, dass ein Song wie Oh Yeah ein Jahr später, im Jahr 1982 veröffentlicht, im Popjahr schlechthin, seinen Platz gehabt und vielleicht auch gefunden hätte. Für mich war der Song 1982 jedenfalls noch immer ein Hit und beim Auflegen spielte ich ihn noch lange Zeit später.

Die beiden Alben von Broken Home waren tatsächlich bis ins neue Jahrtausend nicht erhältlich. Seit 2004 gibt es sie über die Firma Angel Air Records, inklusive Bonustracks und von Dicken selbst remastert, auf CD. Beide sehr empfehlenswert!

Discografie
  • Broken Home (1980) LP (Mercury)
    (2003) CD (Angel Air)
  • Life (1981) LP (Mercury)
    (2004) CD plus 8 Bonustrack (Angel Air)
Angel Air Records | Broken Home Fanseite | Kaufen (amazon)

Montag, 9. Mai 2011

Ausgelesen: Miles Davis von Wolfgang Sandner

2562 - Fever
Miles Davis von Wolfgang Sandner

Ein Musiker, der Musik erschaffen hat. Denke ich an Bitches Brew, mein Lieblingsalbum von Miles Davis, dann steht das in der Musikgeschichte wie ein Monument! Für Jazz-Puristen zu rockig, zu elektrisch, für Rocker zu komplex, zu fremdartig. Für mich genau das, was mich immer interessierte. Wenn Musikstile sich vermischen. Fusion nannte man das damals. Heute hat dieser Begriff einen etwas unguten Beigeschmack. Zuviel Gruseliges hat sich - auch schon in den Siebzigern - hinter diesem Label versteckt. Dass Davis sich damals extrem von Jimi Hendrix und seiner Art Musik zu verstehen, hat beeinflussen lassen, habe ich nun aus Wolfgang Sandners Buch erfahren. Ein Buch, das knapp aber umfassend über den vielleicht visionärsten Jazz-Musiker aufklärt (und dabei einiges aus Davis' Autobiografie klarstellt) und seine Stellung und Bedeutung für die Musikgeschichte im Allgemeinen herausarbeitet. Dabei wird natürlich auch anderen Musikern, Kollegen wie Konkurrenten, viel Platz eingeräumt. Denn ohne Dizzy Gillespie oder Charlie Parker, ohne John Coltrane oder Marcus Miller hätte Miles Davis seine Genialität niemals so wunderbar unter Beweis stellen können. Ein lesenswertes Buch über einen großen Musiker und ein Stück Musikgeschichte; und mit einer ausführlichen Diskografie am Ende des Buches. 

Rezession (echo-online) | Wolfgang Sandner (Rowohlt) | Kaufen (amazon)

Wiederveröffentlicht: Ministry. The Mind Is a Terrible Thing to Taste

1989 hatte ich einen Plattenladen, in dem 50% meiner Kunden Heavy-Metal kauften. Alles, was damals so angesagt war: Metallica , Kreator ,...

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