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Samstag, 20. April 2019

Portrait: Lizzy Mercier Descloux (1956 - 2004)



Lizzy Mercier Descloux war eine Avantgardistin. In ihrer Musik verband sie die Popmusik der New Yorker No Wave Szene und dem, was man so Weltmusik nennt. Sie war stets unterwegs, auf musikalischen Reisen durch Äthiopien, Südafrika aber auch Südamerika. Ihre scheinbare Rastlosigkeit und ihre Idee verschiedene Musikstile zusammen zu bringen, erinnerten nicht selten an die spätere Arbeit eines Bill Laswell. Im Gegensatz zu ihm nahm sie jedoch nahm nur eine handvoll Alben auf; sie spielte in kleinen Filmen ebenso kleine Rollen, schrieb Musik für Soundtracks und widmete sich in den letzten Jahren ihres Lebens der Malerei.

Keine zwanzig Jahre war sie alt, als sie 1975 erstmals nach New York kam, wo sie sich sofort wohl fühlte und in Künstlern wie Patti Smith oder Richard Hell Freunde fand, die beide Material für ihr erstes Buch Desiderata beisteuerten. 1976 siedelte sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Michel Esteban ganz über, kaufte sich eine Gitarre und begann ihre Musikerkarriere.

1978 veröffentlichte sie unter dem Namen Yemen Rosa gemeinsam mit Didier Esteban (D.J. Barnes) ihre erste 6-Track-EP auf dem Label des von Michel Esteban und Michael Zilkha gegründeten Labels Ze Records. Ein Jahr später folgte das legendäre Debutalbum Press Color, das heute zu den Klassikern der No-Wave-Genres zählt. Mercier-Descloux' minimalistisches, etwas schräges, zappeliges funky Gitarrenspiel prägte das Album ebenso, wie ihr atemloser, oft auch disharmonischer Gesang. Zu dieser Zeit lernte sie Jean Michel Basquiat kennen, der ihr eine stetige Inspirationsquelle werden sollte.

Mit ihrem zweiten Album, 1981 von Chris Blackwell auf dessen Island Label realisiert, vereinigte Lizzy Mercier Descloux erstmals afrikanische Musik mit Funk, Rock, Soul und Reggae, eingespielt in den legendären Compass Point Studios auf den Bahamas gemeinsam mit Steven Stanley and Keyboarder Wally Badarou. Auch wenn der kommerzielle Erfolg ausblieb, sorgte diese Produktion für einen Vertrag mit der französischen CBS. Mit dem Song Mais où Sont Passées les Gazelles?, inspiriert durch die Musik, die sie auf einer Reise durch Soweto gehört hatte, hatte sie in Frankreich einen Überraschungshit, der im Sommer 1984 auf allen Sendern spielte.

Der Song erschien dann etwas später auf Mercier Descloux' nächsten Album Lizzy Mercier Descloux (2006 als Zulu Rock wiederveröffentlicht), das größtenteils in Südafrika eingespielt war. Heute angehört, nimmt dieses Album erstaunlicherweise Paul Simons Graceland-Album (das erst 1986 erschien) vorweg. Nur ohne dessen Erfolg; obwohl es durchweg beste Kritiken erhielt und noch heute bei vielen Experten ganz oben in deren Lieblingslisten rangiert.
Angestachelt von diesem Projekt versuchte sie sich einen Traum zu erfüllen: afrikanische Musiker mit Musikern aus New Orleans zusammenzubringen. Das scheiterte allerdings an den südafrikanischen Behörden, die sich weigerten entsprechende Visa auszustellen.

Stattdessen reiste sie 1985 nach Rio de Janeiro, um dort ein Album mit lokalen Musikern einzuspielen. Auf dem RIO Jazz Festival traf sie überraschend auf Chet Baker, den sie spontan ins Studio einlud und der auf fünf Songs die Trompete spielte. Das Ergebnis war One For The Soul ein Album "mit Seele für die Seele", wie Lizzy Mercier Descloux es einmal selbst bezeichnete. Für mich persönlich ihr bestes Album. Es zeichnet sich durch eine wunderbar relaxte, ja zarte aber keineswegs oberflächliche Atmosphäre aus.

Ein Album sollte noch folgen. Suspense spielte sie 1988 mit Mark Cunningham, Trompeter der Postpunkband Mars, in London ein. Das Album brach mit ihren zuletzt benutzen Stilmitteln. Es klingt wie ein britisches Pendant zu ihrem ersten Album, mit guten Musikern eingespielt, aber leider ohne die zündende Idee, ohne einen roten Faden, der ihre vorherigen Alben stets zusammenhielt.

Mitte der Neunzigerjahre hat Lizzy Mercier Descloux angeblich noch einmal einen Versuch gestartet und in New York ein Album eingespielt, das jedoch unveröffentlicht blieb. Gleichzeitig widmete sie sich wieder verstärkt der Malerei und schrieb einen Roman mit dem Titel Buenaventura. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie auf Korsika, wo sie heute vor 15 Jahren, am 20. April 2004, verstarb.

Discografie

Lange Jahre waren Lizzy Mercier Descloux' Alben nicht erhältlich. Einerseits, weil sie auf verschiedenen Labels erschienen waren, andererseits weil ihr "Hauslabel" Ze Records seinen Betrieb eingestellt hatte. Doch 2004 öffneten die Online-Pforten des neu aufgelegten Labels und das Werk von Mercier Descloux war vorübergehend zumindest digital wieder verfügbar. Inzwischen hat sich die Auferstehung von Ze Records aber auch wieder erledigt. Glücklicherweise erschienen 2016 schließlich bei dem Label Light in the Attic alle Alben in aufwändiger Aufmachung auch wieder als Vinyl-Schallplatten. Endlich!
  • Rosa Yemen (1978) EP
    2003: auf dem Album Press Color (Ze Records)
  • Fire/Mission Impossible 12"
    2003: download, 12"
  • Press Color (1979) LP
    2003: CD (digipak), LP, download
    2010: CD (MiniLP)
    2015: 2LP, inkl. der Rosa Jemen EP
  • Mambo Nassau (1981) LP
    2003: CD (digipak), download
    2010: CD (MiniLP)
    2016: LP
  • Lizzy Mercier Descloux (1984) LP, CD
    2006: Zulu Rock CD (digipak), download
    2010: Zulu Rock CD (MiniLP)
    2016: Zulu Rock LP
  • One For The Soul (1986) LP, CD
    2009: download
    2010: CD (MiniLP)
    2016: LP
  • Gypsy Flame/Gueule d'Amour EP
    2003: download
  • Suspense (1988) LP, CD
    2009: download
    2010: CD (MiniLP)
    2016: LP
  • Best Off (2006) CD, download
  • From Heaven With Love (2011) download
  • Voilà, Voilà: The Remixes (2015) download
Alle aufgelisteten Alben und EPs sind derzeit als Download über amazon erhältlich.
2016 wurden sämtlich Alben der Französin auf Vinyl wiederveröffentlicht.

:: Lizzy Mercier-Descloux bei Light in the Attic :: Wikipedia :: Richard Hells Nachruf  :: Nachruf von Oliver Tepel (Spex) ::

Dienstag, 6. September 2011

Rave On: Buddy Holly zum 75.

© GettyImages

Heute wäre Buddy Holly 75 Jahre alt geworden - wäre er nicht bereits 1959, im Alter von nur 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Bis dahin hatte er aber bereits über 10 Singles, darunter That'll Be The Day, Nummer 1 in England und den USA, veröffentlicht. Und während in den Staaten sein früher Ruhm ganz langsam zu erlahmen schien, war er in England umso beliebter. So war er der erste US-amerikanische Popmusiker, der den großen Teich überquerte, um durch England zu touren. Keith Richards und die Beatles zählten zu seinen Fans und Buddy Holly wurde gleich in mehrfacher Hinsicht zum Vorbild vieler Musiker in den 60er Jahren in England.

Was Buddy Holly so wichtig machte war seine Unabhängigkeit, die er sowohl kommerziell als auch künstlerisch zu leben versuchte. Er war der erste Musiker, der seine Songs selbst schrieb und seine Platten selbst produzierte. Er befreite sich nicht nur vom Diktat der Musikverlage und Produzenten, sondern er versuchte durch seine gelegentliche Zusammenarbeit mit schwarzen Musikern und der Integration schwarzer Musikelemente (wie etwa Gospel) in seine Musik, die in den USA auch in der Musikindustrie herrschenden Rassenschranken aufzubrechen. Das machte manchen in den Staaten Angst, brachte Buddy Holly - vor allem in England - durchaus aber auch Anerkennung.

So ist es nicht nur seine Musik, die die Popmusik in den folgenden Jahrzehnten beeinflusste. Buddy Holly war der erste im Showgeschäft, der mit einer Brille auftrat (was Elton John angeblich zu seinem Brillenfetisch führte), die Hollies und die Beatles benannten sich nach Buddy Holly (& The Crickets!), ein sehr junger Bob Dylan war Holly-Fan (und sah eines seiner letzten Konzerte), und einen Bobby Vee oder auch die Everly Brothers, wären ohne Holly sicher nicht denkbar gewesen.

Buddy Hollys Todestag ging als "day, the music died" in die Musikgeschichte ein - ein Begriff, den Don McLean 1971 in seinem Song American Pie prägte, und in dem er seine Gefühle schilderte, als er von Hollys Tod erfuhr. Für Don McLean ein Tag, dessen Echo durch die gesamten 60er Jahre widerhallte und irgendwo beim Altamont Festival 1969 bitter verklang. (Eine Reflexion über American Pie stellt übrigens Roberta Flacks Killing Me Softly With His Song dar.)

Natürlich wurde auch Hollys Musik gecovert bis sich die Schallplatten bogen. Allen voran natürlich das unsägliche Peggy Sue. Das ist, wie viele andere Songs, dermaßen durch alle Industriekanäle gequetscht worden, dass man das heute nur noch schwer ertragen kann. Selbst Coverversionen leiden nicht selten unter dieser Verwertungsmaschinerie. In diesem Jahr erschien allerdings eine Compilation, Rave On Buddy Holly!, die durchaus hörenswert ist und sogar einige Überraschungen bereit hält. Z.B. Lou Reeds krachige Version von Peggy Sue oder das völlig umarrangierte That'll Be The Day von Modest Mouse. Aber auch Paul McCartney, dem im Übrigen die Rechte an Buddy Hollys Songkatalog gehören, überrascht mit seinem bluesigen It's So Easy! Großartig!
Glücklicherweise ist die Musik vor 52 Jahren dann doch nicht wirklich gestorben!

Das Tracklisting:
1. "Dearest" - The Black Keys
2. "Every Day" - Fiona Apple & Jon Brion
3. "It's So Easy" - Paul McCartney
4. "Not Fade Away - Florence + The Machine"
5. "(You're So Square) Baby, I Don't Care" - Cee Lo Green
6. "Crying, Waiting, Hoping" - Karen Elson
7. "Rave On" - Julian Casablancas
8. "I'm Gonna Love You Too" - Jenny O.
9. "Maybe Baby" - Justin Townes Earle
10. "Oh Boy" - She & Him (2:18)
11. "Changing All Those Changes" - Nick Lowe
12. "Words Of Love" - Patti Smith
13. "True Love Ways" - My Morning Jacket
14. "That'll Be The Day" - Modest Mouse
15. "Well...All Right" - Kid Rock
16. "Heartbeat" -The Detroit Cobras
17. "Peggy Sue" - Lou Reed
18. "Peggy Sue Got Married" - John Doe
19. "Raining In My Heart" - Graham Nash

Rave on Buddy Holly bei amazon | Rave On Buddy Holly

Sonntag, 21. August 2011

Paul Kossoff und die Stille zwischen den Tönen


Kürzlich habe ich den Film It Might Get Loud gesehen. In dem treffen sich drei Gitarristen, um gemeinsam übers Gitarrenspielen zu sinnieren; in einer Mischung aus Konzerthalle und Wohnzimmer, in einer merkwürdig sterilen, total prätentiösen Atmosphäre, offenbar fürs Kino produziert. Dabei erwischte ich mich bei der Frage nach meinem Lieblingsgitarristen - eine Frage, die mir komischerweise noch nie im Leben jemand gestellt hat - und fragte ich mich, ob dieser in solch einem Film mitgewirkt hätte, und ob er heute überhaupt noch musizieren würde; denn wäre er nicht schon in den 70ern gestorben, würde es ihm bestimmt nicht sonderlich gut gehen. Vielleicht würde er aber trotzdem noch immer so geniale Soli raushauen, wie zu seinen Lebzeiten. Wer weiß.

Ich konnte also noch nie Paul Kossoff! antworten. Völlig absurd eigentlich. Paul Kossoff, unvergessen und verehrt (von mir), Gitarrist der legendären Band Free und laut Rolling Stone auf Platz 51 der besten Gitarristen aller Zeiten.
Schon bei Free hatten ihn die Drogen fest im Griff. Nach Free gründete er, nach einer Solo LP, die Band Back Street Crawler. Die klang zwar immer seltsam blutleer, war als Spielwiese Kossoffs aber durchaus zu gebrauchen. Nach seinem Tod (irgendwo über den US-amerikanischen Wolken durch Herzversagen) erschien eine Doppel-LP, Koss, die sämtliche Stationen dieses unbeschreiblichen Gitarristen umriss und mich viele Jahre begleitete.

Ich bin überzeugt, dass Paul Kossoff, als er starb, seine besten Soli noch gar nicht gespielt hatte. Abgesehen davon, dass er, wie alle großen Gitarristen, einen ganz eigenen unverkennbaren Sound hatte, war er der Meister des Weglassens. Beinahe ein Miles Davis der Lead Gitarre. Man musste bei ihm also die Stille zwischen den Tönen "mit"-hören. Die war Teil des Ganzen. Es kam auch vor, das er einen Ton sekundenlang malträtierte (nicht die Gitarre, den Ton selbst) - und das war dann das ganze Solo! Und es war verblüffend; und es war grandios! Keiner konnte seiner Gitarre mit nur zwei, drei Tönen den Blues (oder auch den Soul) auf so unnachahmliche Weise entlocken.

Ein schönes Beispiel ist Come Together In The Morning. Das Solo im Mittelteil des Songs ist so herrlich minimalistisch, dass man sich unwillkürlich fragt, ob Kossoff über seiner Gitarre vielleicht eingeschlafen war und gerade so, in letzter Sekunde, hochschreckte, ohne wirklich zu wissen, wo er sich gerade befand, dass hier ein Album eingespielt wurde - und halb verschlafen spielte er einfach mal los, dachte, es würde schon irgendwie passen. Wer weiß - ist nur so ne amüsante Idee (ich wollte jetzt nicht das Bild bemühen, dass man ihn zu jeder Zeit in der Nacht aus dem Bett hätte holen können etc etc)... jedenfalls ist sein Gitarrenspiel derart voller Seele -- das konnte kein anderer so gut wie er, der Paul Kossoff! Der Mann war genial, ohne Frage und es ist sehr sehr schade, das er mit gerade mal 25 gestorben ist und nicht in dem Film It Might Get Loud mitmachen konnte. Da hätte er Jimmy Page, The Edge und Jack White mal so richtig das Fürchten lehren können! Auf seinem Grabstein steht übrigens "All Right Now".

Paul Kossoffs Diskografie ist schnell aufgezählt: er spielt auf allen Free-Alben mit und hat zwei eigene Alben unter dem Namen Back Street Crawler veröffentlicht. Es gibt das Doppelalbum Koss ebenso auf CD, wie eine von Island herausgegebene Kopplung namens Blue Soul.
Als Empfehlung neben Koss möchte ich aber das Album Kossoff, Kirke, Tetsu, Rabbit erwähnen, das in einer kurzen Phase, in der Free auf Eis lag, entstand, aber praktisch nichts anderes als Free 1972 minus Paul Rogers war - und noch immer großartig ist!

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Samstag, 23. Juli 2011

Sonntag, 10. Juli 2011

Portrait: Herman Brood zum 10. Todestag


Heute vor 10 Jahren starb Herman Brood. Er wurde nur 54 Jahre alt.

Nur wenige werden sich heute dieses Musikers erinnern, wenn sie nicht gerade in den Niederlande leben, denn dort war (und ich nehme an: ist noch immer) Herman Brood ein Star. Am Trauerzug, der am Hilton Hotel, von dessen Dach Brood in den Freitod sprang, begann, hin zum Paradiso, Amsterdams legendärem Club, der für Broods musikalische Karriere eine wichtige Rolle gespielt hatte, nahmen tausende von Zuschauern teil. Fans genauso, wie Schaulustige, denn Broods Berühmtheit, beruhte zumindest zur Hälfte auf seiner Drogensucht, die er seit den späten 70er-Jahren immer wieder öffentlich thematisiert hatte.

In Deutschland hatte Brood eine treue Fangemeinde, tatkräftig unterstützt durch das Magazin Sounds, das in Brood eine Art musikalischen Heilsbringer sah. Auch eine kurze Liaison mit Nina Hagen schürte die Aufmerksamkeit hierzulande. Trotzdem kennt ihn heute kaum mehr jemand, was wirklich schade ist. Glücklicherweise ist wenigstens seine Musik im Großen und Ganzen nach wie vor erhältlich.

Seit 1964 sammelte Brood musikalische Erfahrungen. Seine bekannteste Station war die Band Cuby and the Blizzards. 1976 gründete er seine eigene Band, Herman Brood & his Wild Romance und bereits ein Jahr später erschien deren erstes Album Streets, das jedoch kaum Aufmerksamkeit erregte. Nachdem Teile der anschließenden Tournee aufgrund der Drogenexzesse Broods abgesagt werden mussten, war die Aufmerksamkeit auf deren Seite und das zweite Album der Band, Shpritz, wurde zum Verkaufsschlager in ganz Europa. Songs wie Dope Sucks oder Rock & Roll Junkie sind heute Klassiker und mit Saturday Night hatte Brood seinen ersten Top-10-Hit.

Der Versuch 1979 den amerikanischen Markt zu erobern schlug jedoch fehl. Herman Brood & his Wild Romance tourten zwar mit Bands wie den Kinks oder den Cars, und Saturday Night erklomm die Billboard-Charts bis auf Platz 35, doch das reichte nicht, um sich jenseits des Atlantiks etablieren zu können.

Zurück in der Heimat bröckelte dann nicht nur die Band, sondern auch der Erfolg und weitere Alben warfen zwar noch den einen oder anderen Hit ab, hinterließen aber im abklingenden Punk- und Pubrock-Fieber kaum mehr Spuren.

Herman Brood blieb sein Leben lang drogenabhängig. Anfangs genoss er es sichtbar, öffentlich über seine Abhängigkeit zu reden. Später bekam er oft Skrupel, hatte Angst davor, seine Fans könnten durch ihn zum Drogenkonsum verleitet werden, obwohl er sich stets als abschreckendes Beispiel inszenierte und nicht nur in seinen Songs vor den Folgen des Drogenkonsums warnte.

In seinen späteren Jahren widmete sich Brood der Kunst. Er malte, meist großformatige, graffitiinspirierte Objekte, der Popart nahe. Hin und wieder erschien ein Album von ihm und die Wild Romance tourte mit einem Comeback-Album Ende der 80er-Jahre durch Deutschland. Zu seinem 50. Geburtstag gab es eine riesige Show im Paradiso in Amsterdam und ein Album mit Duetten mit dem schönen Titel 50 - The Soundtrack.

Herman Brood wählte den Freitod, nachdem 2001 eine Entziehungskur fehlgeschlagen war er unter schweren gesundheitlichen Problemen litt.

Herman Brood bei amazon | Herman Broods offizielle Seite

Mittwoch, 15. Juni 2011

Portrait: Harry Nilsson zum 70.


Heute wäre Harry Nilsson 70 Jahre alt geworden. Leider ist er jedoch bereits 52-jährig verstorben - viel zu früh!

Wer sich nun fragt, wer dieser Harry Nilsson denn war, der kennt bestimmt seinen größten Hit, wenn auch eventuell in der Version von Mariah Carey. Without You war 1971 an den Spitzen aller Charts weltweit und bescherte dem US-amerikanischen Sänger den Erfolg, dem er - aus kommerzieller Sicht - anschließend den Rest seiner Karriere hinterher lief. Seine größten Fans hatte er im Kollegenkreis. Z.B. in den Beatles. Mit ihnen war er persönlich befreundet, vor allem mit John Lennon und Ringo Starr, in dessen Nähe in London Harry Nilsson ein (legendäres) Appartement besaß.

Harry Nilsson war ein begnadeter Songschreiber. Schon ganz zu Beginn seiner Karriere in den frühen 60er-Jahren, als er am Tage bei einer Bank arbeitete, schrieb er abends gemeinsam mit John Marascalco oder Phil Spector Songs für Little Richard, Glen Campbell oder die Yardbirds. 1967 bekam er einen Plattenvertrag mit RCA und hatte 1969 einen Hit mit Fred Neils Song Everybody's Talkin, der in dem Spielfilm Asphalt-Cowboy Verwendung fand und wofür Harry Nilsson einen Grammy gewann.

Harry Nilsson setzte aber nicht nur auf Eigenkompositionen. Immer wieder nahm er Coverversionen auf. Mit Nilsson Sings Newman widmete er dem damals noch unbekannten Randy Newman ein komplettes Album. Und es war auch eine Coverversion, die Harry Nilsson an die Spitze der Charts katapultierte. Without You war ein Song der britischen Band Badfinger (Nilsson hielt den Song zunächst für einen Beatles-Song als er ihn im Radio hörte), geschrieben von Peter Ham und Thomas Evans mit dem unverwechselbaren Refrain "I can't live, if living is without you" (ironischerweise haben sich beide Autoren später das Leben genommen). Without You führte die Charts in England und den USA an.

Harry Nilsson war bekannt für seine mächtige Stimme. Sie umfasste mehrere Oktaven; was ihm für seine Interpretation von Without You seinen zweiten Grammy einbrachte. Reichlich Ruhm! Ruhm, der ihm in den Folgejahren ebenso reichlich Geld bescherte, das er in z.T. irrwitzige Albumprojekte investierte, die kommerziell allesamt floppten. Doch Nilsson nahm es mit Humor (von dem er reichlich besaß!) und nutzte die Gunst der Stunde, um sich ein paar Wünsche zu erfüllen: ein Album mit Pop-Standards á la Irving Berlin, arrangiert von Gordon Jenkins, schrieb ein Musical und ließ sich ein ein Album von John Lennon produzieren. 1973, gerade als Lennon sich sein "Lost Weekend" nahm, kamen die beiden in Kalifornien und später in New York im Studio zusammen. Gemeinsam mit Ringo Starr, Keith Moon, Klaus Voormann und einem ganzen Batallion weiterer Musiker entstand unter recht feucht-fröhlichen Umständen Pussy Cats, ein Album, das den Kritikern die Haare zu Berge stehen ließ, durchaus aber seine Highlights hatte. Man trieb es so bunt, dass Nilsson zwischenzeitlich seine Stimme verlor und mehrere Monate brauchte, um sich wieder zu erholen.

Es folgten in kurzen Abständen weitere Alben (1975 z.B. Duit on Mon Dei dessen ursprünglicher Titel God's Greatest Hits von der Plattenfirma verworfen wurde) von denen trotz Staraufgebot an Musikern kaum jemand Notiz nahm. 1977 schließlich erschien Knnillssonn, mit dem Harry Nilsson und die Plattenfirma wieder schwarze Zahlen schreiben wollten. Doch durch den Tod Elvis Presleys, einen Monat nach Veröffentlichung des Albums, hatte die Plattenfirma RCA mit einem Mal besseres zu tun, als ein Harry Nilsson-Album zu promoten. Leider.

Ein letztes Album erschien 1980. Bis zu seinem Tod 1994 gab es dann nur noch sporadisch Lebenszeichen von ihm, obwohl er immer mal wieder im Studio war. Ein angeblich fertig gestelltes Album blieb unveröffentlicht. 1988 war er an Hal Willners Stay Awake-Disney-Tribute beteiligt, nachdem er schon 1984 für das John Lennon-Tribute-Album Every Man Has A Woman einen Song beigesteuert hatte. Der Tod John Lennons machte Nilsson zudem zum Aktivisten gegen privaten Waffenbesitz. Seinen letzten Auftritt hatte er gemeinsam mit Ringo Starr am 1. September 1992.

Die Alben Harry Nilssons gibt es beinahe alle noch auf CD, z.T. remastered. Und es gibt natürlich reichlich Zusammenstellungen, von denen die allermeisten sein ganz frühes Material kompilieren. Empfehlenswerte Alben sind seine frühen RCA-Veröffentlichungen Pandemonium Shadow Show (1967) und Aerial Ballet (1968), sein exzentrisches Meisterwerk Son of Schmilsson von 1972, Pussy Cats natürlich und Knnillssonn. Die Doppel-CD Anthology bietet mit beinahe 50 Songs einen sehr guten Querschnitt aus den 13 Jahren seines Schaffens für RCA.

Harry Nilsson bei amazon | Harry Nilsson Web Pages

Freitag, 27. Mai 2011

Gil Scott-Heron gestorben

Photo by Mischa Richter

Gestern verstarb der Singer-Songwriter, Sänger und Poet Gil Scott-Heron. Er wurde 62 Jahre alt.

Gil Scott-Heron bewegte sich mit seiner Musik immer irgendwo zwischen Jazz, Soul, R&B und Reggae. Und er war ein politischer Mensch. Das machte ihn zum Einfluss vieler schwarzer Musiker, besonders im R&B oder Hip-Hop.

Scott-Heron veröffentlichte in den 70er- und frühen 80er-Jahren eine ganze Reihe von Alben, einige großartige aber auch einige weniger wegweisende. Sein größter Hit und bekanntester Song war zweifelsohne The Revolution Will Not Be Televised. Ein Titel, der über die Jahre als Redewendung Einzug in den kulturellen Sprachgebrauch einging. Später kämpfte Scott-Heron mit Drogenproblemen und 2001 musste er deswegen sogar für einige Zeit ins Gefängnis. Jahrelang war musikalisch nichts von ihm zu hören.

Doch Gil Scott-Heron kam zurück und veröffentlichte 2010 ein sehr eindringliches Album namens I'm New Here.

Auf seiner Webseite kann man sich einige seiner Videos anschauen.

Offizielle Webseite | Gil Scott-Heron bei amazon

Wiederveröffentlicht: Ministry. The Mind Is a Terrible Thing to Taste

1989 hatte ich einen Plattenladen, in dem 50% meiner Kunden Heavy-Metal kauften. Alles, was damals so angesagt war: Metallica , Kreator ,...

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