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Dienstag, 18. Oktober 2011

Ausgegraben: Jimi Hendrix Experience - Winterland (4CD-Box)

Die Shows, die Jimi Hendrix mit seiner Experience 1968 im Winterland gab, sind in dieser Box erstmals offiziell zusammengefügt. Ein Hörgenuss der entspannten Art!

Sechs Shows spielte die Band in drei Tagen am 10., 11. und 12 Oktober 1968, exakt der Zeitpunkt, zu dem das Electric Ladyland-Album in den Staaten erscheinen sollte (tatsächlich erschien es dann wegen der Probleme, die aufgrund des Covers entstanden, etwas später.), und die Band war zu diesem Zeitpunkt zweifellos auf ihrem kreativen Höhepunkt.

Deren Spielfreude war zu diesem Zeitpunkt enorm. Das ist auch an den Coverversionen zu hören. Herausragend: Sunshine of Your Love von Cream, Like A Rolling Stone von Bob Dylan. Und auch Wild Thing von The Troggs erlebt eine Wiedergeburt in der Bearbeitung der Experience. Und wenn man genau hinhört wird man auch ein Zitat von I Feel Fine der Beatles hören, das die Band in ihre Version von Hey Joe am 11.10 eingebaut hat.

Auch interessant ist der Vergleich der diversen Sets, der nun erstmals möglich ist und man ist verwundert, wie sehr manche Songs variieren, sowohl in der Länge, als auch im Aufbau. Manchmal verweigert Hendrix einfach den Gesang oder er singt einen ganz neuen, frei improvisiert, wie vieles auf diesen vier CDs. Als Hendrix-Fan oder Kenner wird man sicher noch mehr Interessantes entdecken. Angeblich gibt es auch einige Edits, die die Fachleute sicher erkennen. Doch für mich, dem sich Jimi Hendrix erst sehr spät erschlossen hat, ist diese Box genauso eine Entdeckungsreise wie die The Cellar Door Sessions von Miles Davis; eine Reise, die ohne Ende neue Sichtweisen auf die Musik beider Musiker, die meiner Meinung nach sowieso vieles gemeinsam haben, zulässt.

Winterland bei amazon

Donnerstag, 8. September 2011

Ausgegraben: Jim Capaldi - Dear Mr. Fantasy

Dear Mr. Fantasy? Ist das nicht von Traffic? Und war das nicht Steve Winwood? Ja, natürlich, aber nicht nur. Jim Capaldi war Co-autor einer ganzen Reihe von Traffic-Songs und gleichzeitig der Schlagzeuger der Band. Und wie das mit Schlagzeugern so ist, war man später ganz überrascht, das dieser auch singen konnte, als Capaldi nach dem Ende Traffics begann, Soloalben zu produzieren.

Doch Capaldi hatte auch vor Traffic musiziert. The Hellions war seine erste Band 1964. Später umbenannt in Revolution und Deep Feeling. Damals lernte er Dave Mason kennen und über diesen Steve Winwood und die Geschichte von Traffic konnte beginnen: Dear Mr. Fantasy, John Barleycorn Must Die, Dealer, 40,000 Headmen - an vielen Songs war Jim Capaldi beteiligt, ohne dass er größer in den Vordergrund trat. Traffic hatte schon genug Probleme damit, mit Steve Winwood und Dave Mason zwei musikalische Köpfe zu verkraften. Da war für einen dritten Ideengeber kein Platz. Sein erstes Soloalbum, Oh How We Danced, 1972 in einer Traffic-Pause eingespielt, wurde in den Muscle Shoals Studios in Alabama aufgenommen und schlug eine Brücke zwischen britischem Rock und Blues und US-Rhythm & Blues. Paul Kossoff als Gitarrist war auch dabei. Die Kritiken fandes es gut, die Fans eher nicht. 

Und während Capaldi bis 2001 regelmäßig Soloalben veröffentlichte, veredelte er als renommierter Schlagzeuger auch den Sound vieler anderer Musiker. So spielte er mit Eric Clapton oder Carlos Santana, arbeitete aber auch immer wieder mit Steve Winwood zusammen und war natürlich bei diversen Traffic-Reunions beteiligt. Für sein letztes Album, das vor 10 Jahren bei dem deutschen Label SPV erschienen war, konnte er Musiker wie George Harrison, Steve Winwood, Paul Weller, Gary Moore und Ian Paice verpflichten.

Er war gerade mal 60 als er 2005 an Magenkrebs starb. Jetzt endlich erscheint mit Dear Mr. Fantasy - The Jim Capaldi Story eine angemessene Restrospektive seines Werks auf 4CDs, die den 40-jährigen Bogen komplett von The Hellions bis zum Traffic-Reunionkonzert anlässlich der Einführung in die Rock'n'Roll-Hall-Of-Fame im Jahr 2004 schlägt. Für Fans ist sicher die 4. CD die interessanteste, da sie vor allem unveröffentlichtes Material enthält - u.a. den Song Love’s Got a Hold of Me mit George Harrison gemeinsam eingespielt; mein Highlight auf dieser CD ist aber seine Liveversion von Love Will Keep Us Alive, ein Song der von den Eagles für deren Hell Freezes Over-Album 1994 Verwendung fand.

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Trackliste

CD 1
  1. Daydreaming of You – The Hellions
  2. Hallelujah – Revolution
  3. Pretty Colours – Deep Feeling
  4. Dealer – Traffic
  5. Dear Mr. Fantasy – Traffic
  6. Light Up or Leave Me Alone – Traffic
  7. Rock and Roll Stew – Traffic
  8. 40,000 Headmen*
  9. Pearly Queen (Live) – Eric Clapton and Friends
  10. Tricky Dicky Rides Again
  11. Oh How We Danced
  12. Eve
  13. Don’t Be A Hero
  14. Open Your Heart
  15. How Much Can a Man Really Take
  16. Low Rider
  17. Whale Meat Again
CD 2
  1. It’s All Up to You
  2. Love Hurts
  3. Short Cut Draw Blood
  4. Boy with a Problem
  5. Seagull
  6. You and Me (with Paul Kossoff)
  7. Game of Love
  8. Elixir of Life
  9. Shoe Shine (Disco Mix)
  10. Hotel Blues
  11. Tabitha
  12. Electric Nights
  13. Wild Geese
  14. Every Man Must March to the Sound of His Own Drum
  15. Man With No Country
  16. Going Home
CD 3
  1. Let the Thunder Cry
  2. Favella Music
  3. Child in the Storm
  4. Warm
  5. Old Photographs
  6. We Don’t Need
  7. Tonight You’re Mine
  8. Living on the Edge
  9. That’s Love
  10. Gifts of Unknown Things
  11. Lost Inside Your Love
  12. Tales of Power
  13. Warriors of Love
  14. Something So Strong
  15. Oh Lord, Why Lord
  16. Love Used to Be a Friend of Mine
  17. Some Come Running
  18. Living on the Outside
CD 4
  1. Standing in My Light
  2. Anna Julia
  3. Love You ‘til the Day I Die
  4. State of Grace*
  5. Tallulah*
  6. Humanity (Just Another Checkpoint)*
  7. Bright Fighter*
  8. Strange Bird*
  9. How Do I Get to Heaven*
  10. Love’s Got a Hold of Me (with George Harrison)*
  11. Song for George*
  12. The Time of Cholera*
  13. Invaders of the Heart*
  14. Getting Strong*
  15. Love Will Keep Us Alive*
  16. Dear Mr. Fantasy* (Live) – Traffic (Recorded at rehearsals for the Rock and Roll Hall of Fame induction, New York City 2004)
Disc 1, Track 1 from Piccadilly single 7N 35213, 1964
Disc 1, Track 2 from Piccadilly single 7N 35289, 1966
Disc 1, Track 3 rec. 1966, first issued on Angel Air SJPCD088, 2001
Disc 1, Tracks 4-5 from Mr. Fantasy, Island LP 961, 1967
Disc 1, Tracks 6-7 from The Low Spark of High Heeled Boys, Island LP 9180, 1971
Disc 1, Track 8 original version first appeared on Island single WIP 6030, 1968
Disc 1, Track 9 from Eric Clapton’s Rainbow Concert, RSO 877, 1973
Disc 1, Tracks 10 & 11 from Island single WIP 6165, 1973
Disc 1, Track 12 from Island (U.S.) single 1204, 1972
Disc 1, Tracks 13-15 from Oh How We Danced, Island LP 9187, 1972
Disc 1, Tracks 16-17 from Whale Meat Again, Island LP 9254, 1974
Disc 2, Tracks 1-5 from Short Cut Draw Blood, Island LP 9336, 1975
Disc 2, Track 6 from Koss, DJM LP 2-300, 1977
Disc 2, Tracks 7-8 from The Contender, Polydor LP 2383 490, 1978
Disc 2, Track 9 from RSO 12″ single RPO-1014, 1979
Disc 2, Tracks 10-13 from Electric Nights, RSO LP 3050, 1979
Disc 2, Tracks 14-16 from The Sweet Smell of Success, Carrere 116, 1980
Disc 3, Tracks 1-6 from Favella Music, Carrere LP 123, 1981
Disc 3, Tracks 7-10 from Fierce Heart, Atlantic LP 7 80059-1, 1983
Disc 3, Tracks 11-13 from One Man Mission, Atlantic LP 7 80192-1, 1984
Disc 3, Tracks 14-16 from Some Come Running, Island LP 9921, 1988
Disc 3, Track 17, 18 & Disc 4, Tracks 1-3 from Living on the Outside, SPV CD 72512, 2001 – reissued 2003
Disc 4, Tracks 4-16 previously unreleased
 All tracks performed by Jim Capaldi unless otherwise indicated.
* indicates previously unreleased track

Mittwoch, 20. Juli 2011

Das ganz große Feuerwerk

Family - Old Songs New Songs (1971)
Reprise Records
Bei diesem Album handelte es sich eigentlich um eine Compilation, auf der die Band neben Singles auch einige Songs versammelte, die sie ganz neu eingespielt, bzw. abgemischt hatte. Family waren mit dem Mixdown ihres zweiten Albums Entertainment nicht sehr zufrieden gewesen und auf dieser Zusammenstellung bot sich nun die Gelegenheit, dies, zumindest teilweise, zu ändern.
Old Songs New Songs bestach durch seine enorme Dramaturgie. Während auf Seite Eins noch alles in "normalen" Bahnen läuft, wird auf Seite Zwei dann das ganz große Feuerwerk abgebrannt. Hier versammeln sich wirklich die besten Songs der Band und der Höhepunkt ist The Weaver's Answer. Sowieso schon ein großer Song, ist er in dieser Neuaufnahme jedoch Abschluss und Krönung eines gelungenen Albums.
Den Zauber kann man heute jedoch nur noch erfahren, wenn man die Schallplatte besitzt. Wiederveröffentlicht wurde Old Songs New Songs nie. Für mich war es der perfekte Einstieg in das Werk der Band und eine langjährige Begeisterung, auch für das Nachfolgeprojekt Streetwalkers oder für die frühen Soloplatten Roger Chapmans.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Das "unheimliche Meisterwerk"

King Crimson - In the Court of the Crimson King (1969)
E'G
Als ich dieses Album bei einem Freund Anfang der Siebziger erstmals hörte, blieb mir gleich beim ersten Song 21st Century Schizoid Man schlicht die Spucke weg. So etwas hatte ich zuvor nie gehört. Es war etwas verstörend. (Pete Townshend nannte das Album einmal ein "unheimliches Meisterwerk".) Heute ist es nicht mehr so einfach, das Ungeheuerliche daran zu erklären. Vielleicht war es das auch 1972 schon nicht, denn statt das Album zu verdrängen, bin ich los und habe es mir gekauft. (Und dann saß ich da in der Bahn und starrte diese Fratze, diesen Crimson King an - und der war irgendwie genauso irritierend.) Jedenfalls war das das erste Rockalbum, das ich so hörte, wie mein Vater Klassikplatten hörte: ganz aufmerksam, versunken in jeden Ton, jede Textzeile, am besten über Kopfhörer. Und wenn sich dann der Tonarm nach dem letzten Song In The Court Of The Crimson King von der Platte hob, dann war das stets erst einmal das letzte Stück Musik für den Rest des Tages. Und das geht mir heute noch so. Danach ist erst einmal Ruhe.

Zum 40. Jubiläum des Albums erschien eine Box mit 4 CDs und einer DVD, die das Album in verschiedenen Versionen enthält. Darunter auch ein Transfer des originalen Island-Vinyl Masters, das im Folgenden angehört werden kann.

Dienstag, 10. Mai 2011

Portrait: Broken Home

Dicken und Robert Mutt Lange im Studio


Die kurze Geschichte von Broken Home lässt sich nicht erzählen, ohne Mr. Big zu erwähnen, die britische Rockband, die 1977 mit Romeo einen weltweiten Hit hatte, davon aber nicht profitieren konnte und sich alsbald in den unruhigen, von Punk und Wave bestimmten Zeiten, auflöste.

Die Köpfe hinter Mr. Big, Dicken und Pete Crowther, saßen aber nicht lange auf der faulen Haut und gründeten 1979 Broken Home. Ihr gleichnamiges Debutalbum, für WEA eingespielt, brachte aber nicht den erhofften Erfolg, den man sich vor allem im englischsprachigen Raum erwünscht hatte. Trotzdem fand die Band ihre Fans. In Skandinavien und auch in Deutschland und Holland verkaufte sich das Album gut. England zog erst nach, als die Band einen Auftritt beim Reading-Festival absolviert hatte. Doch da war das Album schon aus vielen Läden wieder verschwunden und die WEA hatte es schnell wieder aus dem Programm genommen. Die Zeiten waren damals schnelllebig.

Wie es dann zu einem Deal mit Mercury für ein zweites Album kam, habe ich nicht herausfinden können. Aber zum Glück kam dieses Album, Life betitelt, 1981 heraus. Das war der Zeitpunkt zu dem ich die Band kennenlernte. Der Plattenhändler meines Vertrauens spielte mir Life damals vor und die ersten beiden Tracks, Life und Oh Yeah, hatten es mir sofort angetan. Besonders das wunderbar locker poppige Oh Yeah blieb über all die Jahre einer meiner absoluten Favoriten. Doch auch der Rest des Albums kann sich Hören lassen. Alleine Born Too Loose klingt vielleicht ein wenig zu sehr auf den US-Markt geschielt, hat aber durchaus auch seine Berechtigung unter den z.T. wirklich vorzügigen anderen Songs.

Das Album erschien nur in Deutschland, Holland und Skandinavien, nicht jedoch in England weswegen ihm auch keine lange Lebenszeit vergönnt war. England wäre für die Band, die zu dem Zeitpunkt eigentlich nur aus den beiden Bandgründern bestand, ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Markt in Europa gewesen. Aber England war fest in der Hand der New-Wave-Bands.

Das Debutalbum der Band lernte ich dann erst im Anschluss kennen. Auch hier finden sich einige großartige Songs. Allen voran Death Of Gog, das ich damals, wenn ich auflegte, immer und immer wieder spielte. Mit großer Resonanz beim Publikum.

Dicken und Pete Crowthers waren ganz klar Kinder der 70er-Jahre. So klangen beide Alben auch: gutes Songwriting, mit reichlich Gitarrenarbeit, aber verpackt in ein perfektes Popgewand. Das erste Album wurde dabei von Robert John "Mutt" Lange produziert, der zu dieser Zeit gerade den Ruhm seiner Arbeit für AC/DC genoss. So geht Broken Home auch noch als Rockalbum durch, während der Nachfolger ein nahezu perfektes Popalbum ist. Ich wage zu behaupten, dass ein Song wie Oh Yeah ein Jahr später, im Jahr 1982 veröffentlicht, im Popjahr schlechthin, seinen Platz gehabt und vielleicht auch gefunden hätte. Für mich war der Song 1982 jedenfalls noch immer ein Hit und beim Auflegen spielte ich ihn noch lange Zeit später.

Die beiden Alben von Broken Home waren tatsächlich bis ins neue Jahrtausend nicht erhältlich. Seit 2004 gibt es sie über die Firma Angel Air Records, inklusive Bonustracks und von Dicken selbst remastert, auf CD. Beide sehr empfehlenswert!

Discografie
  • Broken Home (1980) LP (Mercury)
    (2003) CD (Angel Air)
  • Life (1981) LP (Mercury)
    (2004) CD plus 8 Bonustrack (Angel Air)
Angel Air Records | Broken Home Fanseite | Kaufen (amazon)

Wiederveröffentlicht: Ministry. The Mind Is a Terrible Thing to Taste

1989 hatte ich einen Plattenladen, in dem 50% meiner Kunden Heavy-Metal kauften. Alles, was damals so angesagt war: Metallica , Kreator ,...

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