Posts mit dem Label Blues werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Blues werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 1. Oktober 2011

Gerade gehört: Glen Campbell vs Jeff Bridges


In diesen Tagen sind die Alben zweier älterer Herren erschienen, die ich nun so oft gehört habe, dass ich inzwischen kaum glauben kann, dass sie rein zufällig so zeitgleich erschienen sind. Warum? Weil man sie so schön vergleichen kann und dabei kaum Gemeinsamkeiten ausmachen kann, sie aber trotzdem prima zusammen passen.
Schon rein formal könnten die Unterschiede kaum größer sein: für den 61-jährigen Jeff Bridges ist es sein Debut (ok, ich weiß, Bridges hat schon früher einmal ein Album eingespielt. Ich habe das aber einmal gehört und sofort wieder vergessen), für den 13 Jahre älteren Glen Campbell wohl eher sein Abschiedsalbum. Und während Campbell versucht, "ganz großes Kino" zu machen, hat der andere, der tatsächlich Schauspieler von Beruf ist, ein Album ohne große Ambitionen abgeliefert. Nach Jeff Bridges' Erfolg mit seiner Rolle als abgehalfteter Countrysänger in dem wunderbaren Film Crazy Heart, für dessen Soundtrack er bereits fünf Songs eingespielt hatte, lag es beinahe nahe, dass er es mit einem kompletten Album versuchen könnte, das ihn nicht so sehr auf das Countrygenre festlegen würde; was gelungen zu sein scheint, denn auf dem bei Blue Note erschienen Werk finden sich auch Blues- und Pop- und Folkmelodien, die Mischung, die man heute Americana nennt, um das vom klassischen Country abzugrenzen.

Einem Country, dem Glen Campbell stets verpflichtet war. Doch auch er liefert auf seinem neusten Werk Ghost on the Canvas eher ein Popalbum ab. Das hat möglicherweise damit zu tun, das Campbell nach einer Alzheimerdiagnose mit diesem finalen Album noch einmal sein Leben Revue passieren lassen wollte, weswegen das ein sehr persönliches Album geworden ist. Die zu befürchtende Gefühlsduselei blieb dabei aber glücklichwerweise aus. Das liegt ganz klar an den Songschreibern, die Campbell engagiert hat. Leute wie Paul Westerberg, Jakob Dylan, Teddy Thompson oder Robert Pollard kommen eher aus der alternativen Musikszene und ihr Songwriting trägt wesentlich zum Reiz dieses teilweise äußerst hörenswerten Albums bei.

Für manchen US-amerikanischen Musikkritiker ist dieses Album aber zu "weich". Mit Sentimentalität könnte der klassische Countryhörer sicher umgehen, mit Schwäche und Ängsten eher nicht. Campbells innere Einkehr und die daraus entspringenden Einsichten machen das Album für mich allerdings erst interessant, gehörte er doch nie zu meinen liebsten Sängern, sondern stand spätestens seit Rhinestone Cowboy 1975 auf meiner Blacklist. Countrypop vom Schlimmsten, was man damals beim AFN zu hören bekommen konnte. So etwas findet man hier aber glücklicherweise nicht.

Auch Jeff Bridges hat für sein Album äußerst gemischte Kritiken bekommen. Vor allem die Songauswahl wurde oft kritisiert (zu sentimental!). Die große Schwäche dieses Album ist jedoch für mich der Gesang. Das war schon die Schwäche beim Hören des Soundtracks zu Crazy Heart. Im Film fiel das nicht so auf, doch wenn das Bild fehlte, wurde es schwierig. Auf Jeff Bridges wünschte man sich entweder etwas mehr Whiskey in der Stimme oder mehr Dynamik. Beides fehlt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Highlights des Albums die sind, wo Gastsänger zur Unterstützung aufgefahren wurden. Darunter Ryan Bingham, Rosanne Cash, Sam Phillips und Benji Hughes. Der Rest ist völlig ok. Die Produktion von T-Bone Burnette ist gelungen, die Songauswahl erwartungsgemäß auch.

Was von den beiden Alben bleibt sind zwei Hände voll sehr guter Songs, die mich auch noch weiter begleiten werden. Und die Einsicht, dass auch große Unsympathen wie Glen Campbell, eine zweite Chance verdient haben. Und die Hoffnung, dass Jeff Bridges sein Debut mit einem zweiten Album toppen wird.

Und um die ganze Vergleicherei zum Abschluss zu bringen: Während Jeff Bridges in True Grit kürzlich die Rolle des Rooster Cogburn spielte, gab Glen Campbell 40 Jahre zuvor im Original des Westerns den Ranger LaBoeuf - und sang natürlich den Titelsong des Films.



Jeff Bridges [DL] und Glen Campbell bei amazon

Donnerstag, 8. September 2011

Gerade gehört: Ry Cooder - Pull Up Some Dust And Sit Down


Ry Cooder ist schon ein Phänomen. Jahr für Jahr bringt er neue Alben heraus und findet jedes mal ein neues Thema; dieses mal ist es der Protestsong. Ok, das Thema hat er schon öfter gestreift in seinen unermüdlichen ethnologischen Bemühungen, dem Folksong einen wichtigeren Platz in der vom Pop und Rock beherrschten Musikwelt einzuräumen. Im aktuellen Fall packt er aber ganz aktuelle Themen an, verbreitet also ganz persönlichen Protest verbunden mit seiner oft so typischen Bitternis, seiner Ironie bis hin zum Sarkasmus. Ein Kulturpessimismus, der sich oft nur im Zusammenspiel mit der Musik wieder auflöst. Denn Cooder packt seinen Protest ins Gewand klassischer Protestsongs, also Folk, Blues, Mariachi - und Ry Cooder wäre nicht Ry Cooder, würde er das nicht mit einer gehörigen Portion Humor verbinden - auch wenn der im Falle Pull Up Some Dust And Sit Down recht düster daher kommt.

Das geht los mit dem Song Quicksand, den Cooder bereits im letzten Jahr aus Anlass eines neuen Migrationsgesetzes in den USA veröffentlicht hatte. Hier gibts keine "Gnade" für die Mexikaner, die ihrem zerrütteten Land entfliehen wollen. Oder in Christmas Time This Year, dem besonderen Weihnachtsgruß für den Präsidenten:
Our boys and girls will be coming home in plastic bags I fear
then we'll know it's christmas time this year
Thank you Mr. President for your kind words and deeds
There's just one thing I'd like for you to hear
Take this war and shove it up this Crawford, Texas ass
And then you know it's christmas time this year
So stellt er auch gleich klar, welchen Präsidenten er damit meint - und unterlegt das mit herrlichen Tex-Mex-Akkordeonklängen - natürlich von Flaco Jimenez gespielt. Und in John Lee Hooker For President, wo Ry Cooder den vor 10 Jahren verstorbenen Blueser regelrecht auferstehen lässt, bekommt dann auch Präsident Obama noch sein Fett weg.

Überhaupt muss man mal die großartigen Sangeskünste Ry Cooders erwähnen. Das kommt meiner Meinung nach viel zu selten vor. Auf seinen ganz frühen Alben hielt er sich damit offenbar noch etwas zurück. Doch je älter er wurde, desto bluesiger wurde seine Stimme. Nicht nur in John Lee Hooker For President klingt er beinahe schwärzer als seine Vorbilder, auch im dem spartanischen instrumentierten Baby Joined The Army, einem Song, in dem er den amerikanischen Traum auf das Erschossenwerden im Krieg reduziert: "They told me if I get killed in battle I still get paid". Und in Simple Tools zeigt Cooder mit einfachen Mitteln wie ausweglos sich das wirkliche Leben darstellen kann.

Und am Ende des Albums angekommen, wird einem klar, warum Ry Cooder an all diesen Gruseligkeiten nicht völlig verzweifelt. Weil er die Musik dazu hat, diesem Protest eine Form zu geben. Und zwar eine wunderschöne Form. Im letzten Song des Albums allerdings, No Hard Feelings, einer romantisch klingenden Countryballade, versucht er noch einen anderen Weg der Problembewältigung:
No hard feelings no offense taken
You're just a murmur in the whispering sands of time
No bad karma, no curses on ya
You'll go your way and I'll go mine
Aber ob das so klappt?

kaufen (amazon) ist auch als Vinyl erschienen!

Dienstag, 6. September 2011

Rave On: Buddy Holly zum 75.

© GettyImages

Heute wäre Buddy Holly 75 Jahre alt geworden - wäre er nicht bereits 1959, im Alter von nur 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Bis dahin hatte er aber bereits über 10 Singles, darunter That'll Be The Day, Nummer 1 in England und den USA, veröffentlicht. Und während in den Staaten sein früher Ruhm ganz langsam zu erlahmen schien, war er in England umso beliebter. So war er der erste US-amerikanische Popmusiker, der den großen Teich überquerte, um durch England zu touren. Keith Richards und die Beatles zählten zu seinen Fans und Buddy Holly wurde gleich in mehrfacher Hinsicht zum Vorbild vieler Musiker in den 60er Jahren in England.

Was Buddy Holly so wichtig machte war seine Unabhängigkeit, die er sowohl kommerziell als auch künstlerisch zu leben versuchte. Er war der erste Musiker, der seine Songs selbst schrieb und seine Platten selbst produzierte. Er befreite sich nicht nur vom Diktat der Musikverlage und Produzenten, sondern er versuchte durch seine gelegentliche Zusammenarbeit mit schwarzen Musikern und der Integration schwarzer Musikelemente (wie etwa Gospel) in seine Musik, die in den USA auch in der Musikindustrie herrschenden Rassenschranken aufzubrechen. Das machte manchen in den Staaten Angst, brachte Buddy Holly - vor allem in England - durchaus aber auch Anerkennung.

So ist es nicht nur seine Musik, die die Popmusik in den folgenden Jahrzehnten beeinflusste. Buddy Holly war der erste im Showgeschäft, der mit einer Brille auftrat (was Elton John angeblich zu seinem Brillenfetisch führte), die Hollies und die Beatles benannten sich nach Buddy Holly (& The Crickets!), ein sehr junger Bob Dylan war Holly-Fan (und sah eines seiner letzten Konzerte), und einen Bobby Vee oder auch die Everly Brothers, wären ohne Holly sicher nicht denkbar gewesen.

Buddy Hollys Todestag ging als "day, the music died" in die Musikgeschichte ein - ein Begriff, den Don McLean 1971 in seinem Song American Pie prägte, und in dem er seine Gefühle schilderte, als er von Hollys Tod erfuhr. Für Don McLean ein Tag, dessen Echo durch die gesamten 60er Jahre widerhallte und irgendwo beim Altamont Festival 1969 bitter verklang. (Eine Reflexion über American Pie stellt übrigens Roberta Flacks Killing Me Softly With His Song dar.)

Natürlich wurde auch Hollys Musik gecovert bis sich die Schallplatten bogen. Allen voran natürlich das unsägliche Peggy Sue. Das ist, wie viele andere Songs, dermaßen durch alle Industriekanäle gequetscht worden, dass man das heute nur noch schwer ertragen kann. Selbst Coverversionen leiden nicht selten unter dieser Verwertungsmaschinerie. In diesem Jahr erschien allerdings eine Compilation, Rave On Buddy Holly!, die durchaus hörenswert ist und sogar einige Überraschungen bereit hält. Z.B. Lou Reeds krachige Version von Peggy Sue oder das völlig umarrangierte That'll Be The Day von Modest Mouse. Aber auch Paul McCartney, dem im Übrigen die Rechte an Buddy Hollys Songkatalog gehören, überrascht mit seinem bluesigen It's So Easy! Großartig!
Glücklicherweise ist die Musik vor 52 Jahren dann doch nicht wirklich gestorben!

Das Tracklisting:
1. "Dearest" - The Black Keys
2. "Every Day" - Fiona Apple & Jon Brion
3. "It's So Easy" - Paul McCartney
4. "Not Fade Away - Florence + The Machine"
5. "(You're So Square) Baby, I Don't Care" - Cee Lo Green
6. "Crying, Waiting, Hoping" - Karen Elson
7. "Rave On" - Julian Casablancas
8. "I'm Gonna Love You Too" - Jenny O.
9. "Maybe Baby" - Justin Townes Earle
10. "Oh Boy" - She & Him (2:18)
11. "Changing All Those Changes" - Nick Lowe
12. "Words Of Love" - Patti Smith
13. "True Love Ways" - My Morning Jacket
14. "That'll Be The Day" - Modest Mouse
15. "Well...All Right" - Kid Rock
16. "Heartbeat" -The Detroit Cobras
17. "Peggy Sue" - Lou Reed
18. "Peggy Sue Got Married" - John Doe
19. "Raining In My Heart" - Graham Nash

Rave on Buddy Holly bei amazon | Rave On Buddy Holly

Sonntag, 21. August 2011

Paul Kossoff und die Stille zwischen den Tönen


Kürzlich habe ich den Film It Might Get Loud gesehen. In dem treffen sich drei Gitarristen, um gemeinsam übers Gitarrenspielen zu sinnieren; in einer Mischung aus Konzerthalle und Wohnzimmer, in einer merkwürdig sterilen, total prätentiösen Atmosphäre, offenbar fürs Kino produziert. Dabei erwischte ich mich bei der Frage nach meinem Lieblingsgitarristen - eine Frage, die mir komischerweise noch nie im Leben jemand gestellt hat - und fragte ich mich, ob dieser in solch einem Film mitgewirkt hätte, und ob er heute überhaupt noch musizieren würde; denn wäre er nicht schon in den 70ern gestorben, würde es ihm bestimmt nicht sonderlich gut gehen. Vielleicht würde er aber trotzdem noch immer so geniale Soli raushauen, wie zu seinen Lebzeiten. Wer weiß.

Ich konnte also noch nie Paul Kossoff! antworten. Völlig absurd eigentlich. Paul Kossoff, unvergessen und verehrt (von mir), Gitarrist der legendären Band Free und laut Rolling Stone auf Platz 51 der besten Gitarristen aller Zeiten.
Schon bei Free hatten ihn die Drogen fest im Griff. Nach Free gründete er, nach einer Solo LP, die Band Back Street Crawler. Die klang zwar immer seltsam blutleer, war als Spielwiese Kossoffs aber durchaus zu gebrauchen. Nach seinem Tod (irgendwo über den US-amerikanischen Wolken durch Herzversagen) erschien eine Doppel-LP, Koss, die sämtliche Stationen dieses unbeschreiblichen Gitarristen umriss und mich viele Jahre begleitete.

Ich bin überzeugt, dass Paul Kossoff, als er starb, seine besten Soli noch gar nicht gespielt hatte. Abgesehen davon, dass er, wie alle großen Gitarristen, einen ganz eigenen unverkennbaren Sound hatte, war er der Meister des Weglassens. Beinahe ein Miles Davis der Lead Gitarre. Man musste bei ihm also die Stille zwischen den Tönen "mit"-hören. Die war Teil des Ganzen. Es kam auch vor, das er einen Ton sekundenlang malträtierte (nicht die Gitarre, den Ton selbst) - und das war dann das ganze Solo! Und es war verblüffend; und es war grandios! Keiner konnte seiner Gitarre mit nur zwei, drei Tönen den Blues (oder auch den Soul) auf so unnachahmliche Weise entlocken.

Ein schönes Beispiel ist Come Together In The Morning. Das Solo im Mittelteil des Songs ist so herrlich minimalistisch, dass man sich unwillkürlich fragt, ob Kossoff über seiner Gitarre vielleicht eingeschlafen war und gerade so, in letzter Sekunde, hochschreckte, ohne wirklich zu wissen, wo er sich gerade befand, dass hier ein Album eingespielt wurde - und halb verschlafen spielte er einfach mal los, dachte, es würde schon irgendwie passen. Wer weiß - ist nur so ne amüsante Idee (ich wollte jetzt nicht das Bild bemühen, dass man ihn zu jeder Zeit in der Nacht aus dem Bett hätte holen können etc etc)... jedenfalls ist sein Gitarrenspiel derart voller Seele -- das konnte kein anderer so gut wie er, der Paul Kossoff! Der Mann war genial, ohne Frage und es ist sehr sehr schade, das er mit gerade mal 25 gestorben ist und nicht in dem Film It Might Get Loud mitmachen konnte. Da hätte er Jimmy Page, The Edge und Jack White mal so richtig das Fürchten lehren können! Auf seinem Grabstein steht übrigens "All Right Now".

Paul Kossoffs Diskografie ist schnell aufgezählt: er spielt auf allen Free-Alben mit und hat zwei eigene Alben unter dem Namen Back Street Crawler veröffentlicht. Es gibt das Doppelalbum Koss ebenso auf CD, wie eine von Island herausgegebene Kopplung namens Blue Soul.
Als Empfehlung neben Koss möchte ich aber das Album Kossoff, Kirke, Tetsu, Rabbit erwähnen, das in einer kurzen Phase, in der Free auf Eis lag, entstand, aber praktisch nichts anderes als Free 1972 minus Paul Rogers war - und noch immer großartig ist!

Paul Kossoff bei amazon | Paul Kossoff Webseite

Samstag, 23. Juli 2011

Wiederveröffentlicht: Ministry. The Mind Is a Terrible Thing to Taste

1989 hatte ich einen Plattenladen, in dem 50% meiner Kunden Heavy-Metal kauften. Alles, was damals so angesagt war: Metallica , Kreator ,...

Meistgelesen