Samstag, 23. Juli 2011

Donnerstag, 21. Juli 2011

Gerade gehört: Locas In Love - Lemming

Locas In Love - Lemming

Obwohl ich finde, dass es langsam Zeit wird, dass Locas In Love endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zusteht, machte mich die Euphorie in den Medien der letzten Wochen doch ein wenig misstrauisch. Doch ich werde mich dieser Euphorie nun uneingeschränkt anschließen! Lemming ist eine gewaltiger Schritt in eine ganz neue Richtung. Plötzlich machen die Kölner richtigen Indiepop in der Tradition der Shoegazer/Noise Tradition der 80er-Jahre. Unerwartet! Da türmen sich mitunter ganze Gitarrenwände vor einem auf, die man irgendwo zwischen Ride und Velvet Underground ansiedeln kann.

Und auch textlich scheinen sich die Songschreiber weiterentwickelt zu haben. Ganz besonders angetan hat es mir dabei das auch als Single veröffentlichte An Den Falschen Orten, das auf dem Album mit sechseinhalb Minuten völlig unwiderstehlich wird.
"Die Band aus Köln [hat sich] bereits in der Vergangenheit darauf konzentriert, schmerzliche Wahrheiten auf ungewöhnlichem Wege mitzuteilen"
sagt Jan Wiggers auf Spiegel Online. Und das trifft besonders auf Die zehn Gebote und An Den Falschen Orten zu. Wo kommt nur diese unangenehme Weisheit her? Oder Spoiler Warning, bei dem Ein Loch ist im Eimer und Let It Be auf grandiose Weise verknüpt werden: "Verstopf es mit dir selbst, mit dir selbst, mit dir selbst/ Wenn du glaubst, dass sich etwas ändert/ Wenn du glaubst, dass du es aushältst/ Sonst lass es sein, lass es gehen, lass es los/ Worte voller Weisheit: Lass es sein." Große Klasse!

Auf ihrer Webseite präsentiert die Band übrigens stolz all die tollen Rezensionen aus Presse und Netz der letzten Zeit. Und die sind die Lektüre Wert. Außerdem lesen wir dort, was es mit dem Titel Lemming auf sich hat, können das Video zu An Den Falschen Orten anschauen und im Shop auch ältere EPs/Singles und Alben downloaden. Das Album Lemming ist auch als Vinyl (inkl. CD) erhältlich!

Lemming (bei amazon) | Webseite

Mittwoch, 20. Juli 2011

Das ganz große Feuerwerk

Family - Old Songs New Songs (1971)
Reprise Records
Bei diesem Album handelte es sich eigentlich um eine Compilation, auf der die Band neben Singles auch einige Songs versammelte, die sie ganz neu eingespielt, bzw. abgemischt hatte. Family waren mit dem Mixdown ihres zweiten Albums Entertainment nicht sehr zufrieden gewesen und auf dieser Zusammenstellung bot sich nun die Gelegenheit, dies, zumindest teilweise, zu ändern.
Old Songs New Songs bestach durch seine enorme Dramaturgie. Während auf Seite Eins noch alles in "normalen" Bahnen läuft, wird auf Seite Zwei dann das ganz große Feuerwerk abgebrannt. Hier versammeln sich wirklich die besten Songs der Band und der Höhepunkt ist The Weaver's Answer. Sowieso schon ein großer Song, ist er in dieser Neuaufnahme jedoch Abschluss und Krönung eines gelungenen Albums.
Den Zauber kann man heute jedoch nur noch erfahren, wenn man die Schallplatte besitzt. Wiederveröffentlicht wurde Old Songs New Songs nie. Für mich war es der perfekte Einstieg in das Werk der Band und eine langjährige Begeisterung, auch für das Nachfolgeprojekt Streetwalkers oder für die frühen Soloplatten Roger Chapmans.

Die Vorwegnahme von Fusion

Frank Zappa - Hot Rats (1969)
Reprise Records
Keine Ahnung, wann genau ich dieses Album zum ersten Mal hörte. Nur wo, das weiß ich noch. Bei uns, im heimatlichen Jazzkeller, irgendwann in den Siebzigern.
Hot Rats veränderte meine Sicht auf Frank Zappa und seine Musik völlig. Fortan sah ich in ihm eher den Komponisten. Formal war das die Vorwegnahme von Fusion, und gleichzeitig auch deren Höhepunkt. Aber es ist eher kein Jazz. Hier ist jede Nuance von Zappa perfekt durch arrangiert und selbst die Soli klingen allesamt "komponiert", durch und durch melodiös. So kann man jede der Melodien schon beim zweiten Mal mitsummen. Also ein Album, das gute Laune macht, das anspruchsvoll und doch eingängig ist, also beinahe die Kriterien für ein perfektes Popalbum erfüllt.


Und das hervorragend klang: Es war eines der ersten Alben, das im 16-Spur-Verfahren eingespielt wurde. Trotzdem hat Zappa das Mastering für die CD, im Digitalisierungswahn 15 Jahre später, leider völlig verhunzt. Ob das auf späteren Auflagen der CD (gerade 2009 ist diese bei Ryko zum x-ten Male wiederveröffentlicht worden) wieder rückgängig gemacht wurde, weiß ich nicht. Also: lieber LP hören! 

Dienstag, 19. Juli 2011

Zwischen Prog und Folk

Strawbs - Hero And Heroine (1974)
A&M
Dieses Album der Strawbs hörte ich mit meinem damals besten Freund immer und immer wieder. Irgendwann konnte ich die Texte, ohne sie wirklich zu verstehen, allesamt auswendig mitsingen (und das klappt teilweise heute noch). Alles an diesem Album ist klasse. Das Cover, die Songs, der Sound, der Sänger David Cousins - die Stimmung. Die Band konnte sich damals nicht so richtig entscheiden, ob sie ihre alten Folkwurzeln wirklich völlig über Bord werfen und sich ganz dem Progressiven hingeben sollte, oder eine Mischung aus ihren musikalischen Möglichkeiten versuchen sollte. Sie entschied sich für letzteres, und das gelang ihr gar köstlich. Highlight sind der Titelsong (bis heute uneingeholt) und Out In The Cold. Auch wenn es noch andere gute bis sehr gute Strawbs Alben gibt (eines wird hier später sicher noch Erwähnung finden), bleibt Hero And Heroine das absolute Highlight in deren Discografie.
Das Album ist 1998 auf CD erschienen und enthält zwei Bonustracks.

Hero & Heroine auf amazon

Mittwoch, 13. Juli 2011

Das "unheimliche Meisterwerk"

King Crimson - In the Court of the Crimson King (1969)
E'G
Als ich dieses Album bei einem Freund Anfang der Siebziger erstmals hörte, blieb mir gleich beim ersten Song 21st Century Schizoid Man schlicht die Spucke weg. So etwas hatte ich zuvor nie gehört. Es war etwas verstörend. (Pete Townshend nannte das Album einmal ein "unheimliches Meisterwerk".) Heute ist es nicht mehr so einfach, das Ungeheuerliche daran zu erklären. Vielleicht war es das auch 1972 schon nicht, denn statt das Album zu verdrängen, bin ich los und habe es mir gekauft. (Und dann saß ich da in der Bahn und starrte diese Fratze, diesen Crimson King an - und der war irgendwie genauso irritierend.) Jedenfalls war das das erste Rockalbum, das ich so hörte, wie mein Vater Klassikplatten hörte: ganz aufmerksam, versunken in jeden Ton, jede Textzeile, am besten über Kopfhörer. Und wenn sich dann der Tonarm nach dem letzten Song In The Court Of The Crimson King von der Platte hob, dann war das stets erst einmal das letzte Stück Musik für den Rest des Tages. Und das geht mir heute noch so. Danach ist erst einmal Ruhe.

Zum 40. Jubiläum des Albums erschien eine Box mit 4 CDs und einer DVD, die das Album in verschiedenen Versionen enthält. Darunter auch ein Transfer des originalen Island-Vinyl Masters, das im Folgenden angehört werden kann.

Sonntag, 10. Juli 2011

Portrait: Herman Brood zum 10. Todestag


Heute vor 10 Jahren starb Herman Brood. Er wurde nur 54 Jahre alt.

Nur wenige werden sich heute dieses Musikers erinnern, wenn sie nicht gerade in den Niederlande leben, denn dort war (und ich nehme an: ist noch immer) Herman Brood ein Star. Am Trauerzug, der am Hilton Hotel, von dessen Dach Brood in den Freitod sprang, begann, hin zum Paradiso, Amsterdams legendärem Club, der für Broods musikalische Karriere eine wichtige Rolle gespielt hatte, nahmen tausende von Zuschauern teil. Fans genauso, wie Schaulustige, denn Broods Berühmtheit, beruhte zumindest zur Hälfte auf seiner Drogensucht, die er seit den späten 70er-Jahren immer wieder öffentlich thematisiert hatte.

In Deutschland hatte Brood eine treue Fangemeinde, tatkräftig unterstützt durch das Magazin Sounds, das in Brood eine Art musikalischen Heilsbringer sah. Auch eine kurze Liaison mit Nina Hagen schürte die Aufmerksamkeit hierzulande. Trotzdem kennt ihn heute kaum mehr jemand, was wirklich schade ist. Glücklicherweise ist wenigstens seine Musik im Großen und Ganzen nach wie vor erhältlich.

Seit 1964 sammelte Brood musikalische Erfahrungen. Seine bekannteste Station war die Band Cuby and the Blizzards. 1976 gründete er seine eigene Band, Herman Brood & his Wild Romance und bereits ein Jahr später erschien deren erstes Album Streets, das jedoch kaum Aufmerksamkeit erregte. Nachdem Teile der anschließenden Tournee aufgrund der Drogenexzesse Broods abgesagt werden mussten, war die Aufmerksamkeit auf deren Seite und das zweite Album der Band, Shpritz, wurde zum Verkaufsschlager in ganz Europa. Songs wie Dope Sucks oder Rock & Roll Junkie sind heute Klassiker und mit Saturday Night hatte Brood seinen ersten Top-10-Hit.

Der Versuch 1979 den amerikanischen Markt zu erobern schlug jedoch fehl. Herman Brood & his Wild Romance tourten zwar mit Bands wie den Kinks oder den Cars, und Saturday Night erklomm die Billboard-Charts bis auf Platz 35, doch das reichte nicht, um sich jenseits des Atlantiks etablieren zu können.

Zurück in der Heimat bröckelte dann nicht nur die Band, sondern auch der Erfolg und weitere Alben warfen zwar noch den einen oder anderen Hit ab, hinterließen aber im abklingenden Punk- und Pubrock-Fieber kaum mehr Spuren.

Herman Brood blieb sein Leben lang drogenabhängig. Anfangs genoss er es sichtbar, öffentlich über seine Abhängigkeit zu reden. Später bekam er oft Skrupel, hatte Angst davor, seine Fans könnten durch ihn zum Drogenkonsum verleitet werden, obwohl er sich stets als abschreckendes Beispiel inszenierte und nicht nur in seinen Songs vor den Folgen des Drogenkonsums warnte.

In seinen späteren Jahren widmete sich Brood der Kunst. Er malte, meist großformatige, graffitiinspirierte Objekte, der Popart nahe. Hin und wieder erschien ein Album von ihm und die Wild Romance tourte mit einem Comeback-Album Ende der 80er-Jahre durch Deutschland. Zu seinem 50. Geburtstag gab es eine riesige Show im Paradiso in Amsterdam und ein Album mit Duetten mit dem schönen Titel 50 - The Soundtrack.

Herman Brood wählte den Freitod, nachdem 2001 eine Entziehungskur fehlgeschlagen war er unter schweren gesundheitlichen Problemen litt.

Herman Brood bei amazon | Herman Broods offizielle Seite

Sonntag, 3. Juli 2011

Gerade gehört: Ricardo Villalobos & Max Loderbauer - Re: ECM


Produziert im Berliner Laika Studio im Herbst 2009, konnte Ricardo Villalobos seine Leidenschaft zur Musik des Labels ECM mit dem Doppelalbum Re: ECM krönen. Mit Arvo Pärts Tabula Rasa baute Villalobos vor Jahren erstmals Musik seines Lieblingslabels ECM in seine DJ-Sets ein. Seine minimalistische elektronische Musik schien sich besonders leicht mit den organischen Sounds von ECM kombinieren zu lassen. Zusammen mit Max Loderbauer begann Villalobos schließlich ausgewählte Werke zu dekonstruieren und über diese mit Loops und Synthesizer zu improvisieren. Ergebnis: ein Album, das nun auf eben jenem Label, auf Manfred Eichers ECM, erschien.

Natürlich ist das rein formal gesehen auch Jazz, denn die beiden Elektroniker bedienten sich durchaus der Improvisation. Vom Gefühl her ist das jedoch eher ein Ambientalbum, erinnert mitunter an Brian Enos und David Byrnes Meisterwerk My Life In The Bush Of Ghosts, oder an späte Werke eines David Sylvian; allerdings in einer weitaus minimalistischeren Umsetzung, bedingt auch dadurch, dass Villalobos und Loderbauer nicht die einzelnen Spuren der Originale bearbeiten konnten, sondern einzelne Instrumente, Stimmen oder Atmosphären extrahierten und diese neu bearbeiteten und zusammensetzten.  

Die besten Stücke sind für mich die, die mit Stimmen arbeiten. Zum einen Resvete, basierend auf Alexander Knaifels Svete Tikhiy, und zum anderen Reblazhenstva, das auf dem Stück Blazhenstva des selben Komponisten beruht. 

Dieses Projekt ist nicht das, was man von einem Remixalbum erwarten würde. Es hat auch nichts mit Matthew Herberts ähnlichen Versuchen zu tun. Es klingt, besonders wenn man die Originale nicht kennt, praktisch wie ein eigen-ständiges Werk. Es beeindruckt durch das Wechselspiel organischer mit elektronischen Klängen und wurde exzellent gemastert. Neben Werken der bereits erwähnten Pärt und Knaifel wurden außerdem Aufnahmen und Kompositionen von Paul Giger, Louis Sclavis, Christian Wallumrød, John Abercrombie, Miroslav Vitous, Wolfert Brederode, Enrico Rava, Stefano Bollani, Paul Motian und Bennie Maupin verwendet. Ein echtes Hörerlebnis!

Kaufen (amazon) | Das Album bei ECM

Samstag, 2. Juli 2011

Anoushka Shankar: Traveller - Live Welt Premiere


Anoushka Shankar, Tochter von Ravi Shankar (und Halbschwester von Norah Jones) wird ihr für kommenden Oktober geplantes Album Traveller am 3. Juli beim 12. Girona Festival of World and Sacred Music live vorab aufführen und das Event im Internet von Medici.tv übertragen lassen. Und wer nicht live dabei sein kann, der kann sich das Konzert noch 90 Tage lang als Stream anhören.

Traveller wird das erste Album sein, das Anoushka Shankar für das Klassiklabel Deutsche Grammophon eingespielt hat. Dabei will sie eine alte, beinahe 1000-jährige Brücke zwischen der traditionellen indischen und spanischen Musik dokumentieren, wozu sie eine ganze Reihe interessanter Musiker von beiden Kontinenten ins Studio eingeladen hat, die sie offenbar auch live begleiten werden. Sie nennt das eine Raga Flamenco Journey. Man darf also wirklich gespannt sein.


Eine Kostprobe ihres Könnens vom George Harrison-Erinnerungskonzert. Damals muss sie so um die 20 gewesen sein.



medici.tv | Offizielle Webseite | Anoushka Shankar bei der Deutschen Grammophon | Anoushka Shankar bei amazon |

Wiederveröffentlicht: Ministry. The Mind Is a Terrible Thing to Taste

1989 hatte ich einen Plattenladen, in dem 50% meiner Kunden Heavy-Metal kauften. Alles, was damals so angesagt war: Metallica , Kreator ,...

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